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Gegenüberstellung der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung

In Deutschland gibt es ein Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Beide Systeme haben ihre Vorteile. Während die private Krankenversicherung beispielsweise mit höherwertigen Leistungen zu überzeugen weiß, profitieren Familien durch die kostenlose Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer zwischen PKV und GKV wählen kann, sollte sich daher im Vorfeld über verschiedene Kriterien wie

  • Beitragsberechnung,
  • Leistungsumfang und
  • Wechseloptionen

informieren. Wie sich die gesetzliche und die private Krankenversicherung voneinander unterscheiden, erfahren Interessierte im Folgenden. Im Anschluss können sie sich zudem über die Vor- und Nachteile der PKV informieren.

Wer darf sich versichern?

GKV: Jeder Bürger darf in die gesetzliche Krankenversicherung. Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen bis 4.950 Euro sind jedoch automatisch gesetzlich versichert. Besser verdienende Beschäftigte, Freiberufler, Selbstständige und Beamte können freiwillig beitreten.

PKV: Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen ab 4.950 Euro (bzw. ab 59.400 Euro im Jahr, Versicherungspflichtgrenze 2018) können der PKV beitreten. Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Studenten können sich unabhängig vom Einkommen privat versichern.

Familie

GKV: Ehepartner und Kinder bis 25 Jahre (gegebenenfalls auch älter) mit geringem Einkommen (bis max. 450 Euro pro Monat auf Minijobbasis) sind kostenlos mitversichert.

PKV: Ehepartner und Kinder müssen selbstständig krankenversichert werden.

Leistungen

GKV: Die Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben und entsprechen der Regelversorgung (zum Beispiel eingeschränkte Arzt- und Krankenhauswahl, Mehrbettzimmer im Krankenhaus, Behandlung durch diensthabenden Arzt). Die Kassen dürfen Zusatzleistungen wie Bonusprogramme, Gesundheitskurse, Kurzuschüsse, Naturheilbehandlungen und mehr anbieten.

PKV: Die Leistungen können Privatversicherte selbst bestimmen – vom Basistarif bis zum Topschutz. Der Basisschutz ist mit den Leistungen der gesetzlichen Kassen vergleichbar. Ein Top-Tarif bietet freie Arzt- und Krankenhauswahl, Einzel- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung, Erstattung von Zahnersatz, Sehhilfen und mehr.

Kosten und Abrechnung

GKV: Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich beim Krankenkassenbeitrag den Sockelbeitrag. Darüber hinaus zahlen Versicherte einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Er liegt 2018 im Schnitt bei 1,0 Prozent des Bruttoeinkommens. Beamte und Selbstständige zahlen hingegen den kompletten Beitrag selbst.

Die Abrechnung erfolgt in der GKV nach dem Sachleistungsprinzip. Der Leistungserbringer rechnet die Behandlungskosten direkt mit der Krankenkasse ab, der Versicherte muss nicht vorleisten.

PKV: Der Beitrag richtet sich unabhängig vom Einkommen nach Alter, Beruf und Gesundheitszustand. Arbeitnehmern zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss. Beamte profitieren von günstigen Beihilfetarifen.

Die Abrechnung erfolgt zunächst über den Versicherten. Er erhält eine Rechnung, welche er kontrolliert, bezahlt und bei der PKV einreicht, um die Kosten erstattet zu bekommen. Bei stationären Behandlungen rechnet das Krankenhaus meist direkt mit der PKV ab.

Beitragsrückerstattung

GKV: Einige Kassen bieten besondere Wahltarife an, in denen Versicherte bis zu einem Monatsbeitrag erstattet bekommen, wenn sie innerhalb eines Jahres keine Leistungen beansprucht haben.

PKV: Je nach Versicherer und Tarif erhalten Privatversicherte bis zu sechs Monatsbeiträge pro Jahr erstattet, wenn sie keine Leistungen beanspruchen.

Perspektive im Alter

GKV: Anders als in der PKV sind Leistungen nicht garantiert. Durch die Erhöhung des Lebensalters der Bevölkerung und wachsende Ausgaben im Gesundheitssektor sind zudem steigende Beiträge zu erwarten.

PKV: Die PKV bildet Rückstellungen, um altersbedingte Kostenerhöhungen abzufedern. Beitragserhöhungen sind dennoch nicht ausgeschlossen. Leistungskürzungen sind jedoch nicht zu befürchten. Mit dem Basistarif der privaten Krankenversicherung besteht die Möglichkeit, in einen preisgünstigen Tarif mit gesetzlichen Regelleistungen zu wechseln.

Budgetierung

GKV: Die Leistungen der Ärzte sind vom Gesetzgeber budgetiert. Ist das Budget am Quartals- oder Jahresende erschöpft, müssen Mediziner kostenlos arbeiten. Es besteht für Versicherte das Risiko, dass Leistungen aus Kostengründen ins Folgejahr verschoben und bestimmte Medikamente nicht verschrieben werden können.

PKV: Es gibt keine Budgetierung. Im Rahmen des Tarifes existiert eine Leistungsgarantie. Daher besteht keine Gefahr, dass Behandlungen und Medikamente aus Budgetgründen verweigert oder auf einen späteren Termin verschoben werden.

Aufnahme

GKV: Die Krankenkasse muss jeden Kunden aufnehmen und versichern. Ausnahme: Über 55-Jährigen, die vorher nicht versicherungspflichtig waren, können Kassen die Aufnahme verweigern.

PKV: Die privaten Krankenversicherer können potenzielle Mitglieder ablehnen. Im Basistarif besteht jedoch ein Aufnahmezwang. Kündigen darf die Versicherung einem Mitglied normalerweise nicht (Ausnahme: Bei vorvertraglicher Anzeigenverletzung oder Nichtbezahlung der Beiträge).

Geltungsbereich

GKV: Der Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung hat in der EU und in Ländern mit einem Sozialversicherungsabkommen Gültigkeit.

PKV: Die PKV gilt automatisch europaweit und mindestens einen Monat lang auch außerhalb Europas, bei geringer Zuzahlung auch weltweit.

Kündigung und Wechsel

GKV: Die Kündigung oder der Wechsel in eine andere gesetzliche Kasse beziehungsweise in die private Krankenversicherung ist zum Ende des übernächsten Monats möglich, gerechnet von dem Monat, in dem das Mitglied den Austritt erklärt. Um die Krankenkasse wechseln zu können, müssen Kassenpatienten mindestens 18 Monate dort versichert sein.

PKV: Versicherte müssen spätestens drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres kündigen. Zuvor sollten sie klären, in welchem Umfang Altersrückstellungen mitgenommen werden können und zu welchen Konditionen eine Neuversicherung möglich ist. Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich.

Vorteile und Nachteile der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung gibt es einige Vorteile, von denen Versicherte im Vergleich zu Kassenpatienten profitieren. Die bevorzugte Behandlung bei Ärzten ist nur einer davon.

Die private Krankenversicherung bietet zwar ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und andere Vorteile, doch sie kann auch Nachteile bringen. Damit Interessierte die richtige Entscheidung treffen können und mit ihrer privaten Krankenversicherung langfristig zufrieden sind, ist es sinnvoll, sich auch über mögliche Haken zu informieren.

Bevor Interessierte eine private Krankenversicherung wählen, sollten sie zudem die Leistungen der Tarife kostenlos mit der Hilfe eines Experten vergleichen. Er erläutert nicht nur, welche Leistungen bestimmte Tarife beim Arzt, beim Zahnarzt, im Krankenhaus und bei Pflegebedürftigkeit bieten. Zudem kennt er sich mit Stolperfallen aus und kann künftigen Privatversicherten wertvolle Tipps geben.

Beitrags­berechnungPKV-Beiträge werden unabhängig vom Einkommen berechnet. Gerade bei einem hohen Verdienst kann die private Krankenversicherung im Vergleich zur gesetzlichen Absicherung deutlich günstiger sein.
LeistungenPrivatversicherte legen ihre Leistungen individuell nach ihren Wünschen fest und genießen oftmals eine bessere medizinische Versorgung.
Berufs­spezifische TarifeFür einige Berufsgruppen bieten die privaten Krankenversicherer spezielle Tarife. So können sich Beamte, Ärzte und Studenten preiswert absichern und gleichzeitig vom hohen Leistungsniveau der PKV profitieren.
Wartezeiten und Termin­vergabeIn der Regel erhalten Privatpatienten schneller einen Termin beim Arzt. Auch die Wartezeiten sind meist kürzer.
Medizinischer FortschrittPrivatversicherte haben schnelleren Zugang zu neuen Behandlungsmethoden.
Leistungs­garantieVertraglich zugesicherte Leistungen können nicht gekürzt werden.
Aufenthalt im KrankhausPrivatpatienten können je nach gewählter PKV im Einzelzimmer in Ruhe genesen und haben Anspruch auf die Behandlung durch den Chefarzt.
TarifwechselDer Wechsel in einen anderen Tarif mit gleichen Leistungen ist beim Versicherer jederzeit möglich.
MedikamenteBei verschreibungspflichtigen Medikamenten fallen keinen Zuzahlungen an.
Beitrags­rückerstattungViele Versicherer zahlen ihren Kunden Monatsbeiträge zurück, wenn sie innerhalb von zwölf Monaten keine Leistungen genutzt haben.

VorerkrankungenPersonen mit Vorerkrankungen haben es schwerer, eine passende private Krankenversicherung zu finden. Da sich die Beitragshöhe unter anderem am Gesundheitszustand bemisst, können Vorerkrankungen zudem zu höheren PKV-Kosten führen.
Gesundheits­prüfungBevor Personen eine private Krankenversicherung abschließen können, müssen sie eine Reihe von Gesundheitsfragen beantworten.
Absicherung von Familien­mitgliedernAnders als in der gesetzlichen Krankenversicherung können Kinder nicht kostenfrei mitversichert werden. Für sie bieten die Versicherer jedoch spezielle Tarife an.
Beiträge im AlterIm Alter steigen die Beiträge, da die Versicherer von häufigeren, altersbedingten Behandlungskosten ausgehen. Um den Kostenanstieg abzufedern, bauen Privatversicherte mit zehn Prozent ihres Monatsbeitrags sogenannte Altersrückstellungen auf. Diese sollen Beitragserhöhungen nach dem 65. Lebensjahr vermeiden.
AbrechnungPrivatversicherte gehen bei ambulanten Behandlungen stets in Vorkasse. Je nach Rechnungsbetrag kann dies zu einer kurzzeitigen finanziellen Belastung führen, ehe der Versicherer die Kosten erstattet hat.
Wechsel in die GKVPrivatversicherte gehen bei ambulanten Behandlungen stets in Vorkasse. Je nach Rechnungsbetrag kann dies zu einer kurzzeitigen finanziellen Belastung führen, ehe der Versicherer die Kosten erstattet hat.
Wechsel des VersicherersBeim Wechsel des Versicherers können bis dahin aufgebaute Altersrückstellungen nur teilweise mitgenommen werden. Eine erneute Gesundheitsprüfung führt zudem dazu, dass der Anbieterwechsel nur für Privatpatienten sinnvoll ist, die erst kurze Zeit privat krankenversichert sind.