Startseite » Gegenüberstellung PKV – GKV

Gegenüber­stellung der gesetzlichen und privaten Krankenver­sicherung

In Deutschland gibt es ein Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Beide Systeme haben ihre Vorteile. Während die private Krankenversicherung beispielsweise mit höherwertigen Leistungen zu überzeugen weiß, profitieren Familien durch die kostenlose Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Wer zwischen PKV und GKV wählen kann, sollte sich daher im Vorfeld über verschiedene Kriterien wie Beitragsberechnung, Leistungsumfang und Wechseloptionen informieren.

Wie sich die gesetzliche und die private Krankenversicherung voneinander unterscheiden, erfahren Sie im Folgenden. Im Anschluss können Sie sich zudem über die Vor- und Nachteile der PKV informieren.

Tipp: Egal, ob Sie sich privat oder gesetzlich versichern wollen, ist es wichtig, vor der Entscheidung mehrere Angebote miteinander zu vergleichen. So finden Sie einen Versicherer, der am besten zu Ihren Wünschen passt.

Paar sucht nach Krankenversichrungen

Grundlegende Informationen zur PKV - GKV

Wer darf sich versichern?

GKV: Jeder Bürger darf in die gesetzliche Krankenversicherung. Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen bis 5.062,50 Euro sind jedoch automatisch gesetzlich versichert. Besser verdienende Beschäftigte, Freiberufler, Selbstständige und Beamte können freiwillig beitreten.

PKV: Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoeinkommen ab 5.062,50 Euro bzw. ab 60.750 Euro im Jahr (Versicherungspflichtgrenze 2019) können der PKV beitreten. Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Studenten können sich unabhängig vom Einkommen privat versichern.

Familie

GKV: Ehepartner und Kinder bis 25 Jahre (gegebenenfalls auch älter) mit geringem Einkommen (bis max. 450 Euro pro Monat auf Minijobbasis) sind kostenlos mitversichert.

PKV: Ehepartner und Kinder müssen selbstständig krankenversichert werden. Familienmitglieder von Beamten profitieren allerdings von der Beihilfe durch den Dienstherrn.

Leistungen

GKV: Die Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben und entsprechen der Regelversorgung (zum Beispiel eingeschränkte Arzt- und Krankenhauswahl, Mehrbettzimmer im Krankenhaus, Behandlung durch diensthabenden Arzt, geringe Erstattung bei Zahnersatz). Die Kassen dürfen Zusatzleistungen wie Bonusprogramme, Gesundheitskurse, Kurzuschüsse und Naturheilbehandlungen anbieten.

PKV: Die Leistungen bestimmen Sie selbst – vom Basis- bis zum Topschutz. Der Basisschutz ist mit den Leistungen der gesetzlichen Kassen vergleichbar. Ein Top-Tarif bietet Ihnen freie Arzt- und Krankenhauswahl, Einzel- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung, Erstattung von Zahnersatz, Sehhilfen und mehr.

Kosten und Abrechnung

GKV: Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich den Krankenkassenbeitrag. Dies gilt sowohl für den Sockelbeitrag von 14,6 Prozent als auch den kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Er liegt 2019 im Schnitt bei 0,9 Prozent des Bruttoeinkommens. Beamte und Selbstständige zahlen hingegen den kompletten Beitrag, wobei Selbstständige, Studenten und freiwillig Versicherte mit geringem Verdienst einen Mindestbeitrag entrichten.

Die Abrechnung erfolgt in der GKV nach dem Sachleistungsprinzip. Das bedeutet, dass der Leistungserbringer die Behandlungskosten direkt mit der Krankenkasse abrechnet, der Versicherte muss nicht vorleisten.

PKV: Der Beitrag richtet sich unabhängig vom Einkommen nach Alter, Beruf und Gesundheitszustand. Arbeitnehmern zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss von maximal 352 Euro (Stand 2019). Beamte profitieren von günstigen Beihilfetarifen.

Die Abrechnung erfolgt zunächst über den Versicherten. Sie erhalten eine Rechnung, welche Sie kontrollieren, bezahlen und bei der PKV einreichen, um die Kosten erstattet zu bekommen. Bei stationären Behandlungen rechnet das Krankenhaus meist direkt mit der PKV ab.

Beitrags­rück­erstattung

GKV: Einige Kassen bieten besondere Wahltarife an, in denen Sie bis zu einem Monatsbeitrag erstattet bekommen, wenn Sie innerhalb eines Jahres keine Leistungen beansprucht haben.

PKV: Je nach Versicherer und Tarif erhalten Privatversicherte bis zu sechs Monatsbeiträge pro Jahr erstattet, wenn sie keine Leistungen beanspruchen.

Perspektive im Alter

GKV: Anders als in der PKV sind die GKV-Leistungen nicht garantiert. Durch die Erhöhung des Lebensalters der Bevölkerung und wachsende Ausgaben im Gesundheitssektor sind zudem steigende Beiträge zu erwarten.

PKV: Die PKV bildet Rückstellungen, um altersbedingte Kostenerhöhungen abzufedern. Beitragserhöhungen sind dennoch nicht ausgeschlossen. Leistungskürzungen sind jedoch nicht zu befürchten. Mit dem Basistarif der privaten Krankenversicherung besteht die Möglichkeit, in einen preisgünstigen Tarif mit gesetzlichen Regelleistungen zu wechseln.

Budgetierung

GKV: Die Leistungen der Ärzte sind vom Gesetzgeber budgetiert. Ist das Budget am Quartals- oder Jahresende erschöpft, müssen Mediziner kostenlos arbeiten. Es besteht daher für Versicherte das Risiko, dass Leistungen aus Kostengründen ins Folgejahr verschoben und bestimmte Medikamente nicht verschrieben werden können.

PKV: Es gibt keine Budgetierung. Im Rahmen des Tarifes existiert für Sie eine Leistungsgarantie. Daher besteht keine Gefahr, dass Behandlungen und Medikamente aus Budgetgründen verweigert oder auf einen späteren Termin verschoben werden.

Aufnahme

GKV: Die Krankenkasse muss jeden Kunden aufnehmen und versichern. Einzig über 55-Jährigen, die vorher nicht versicherungspflichtig waren, kann die Aufnahme verweigert werden.

PKV: Die privaten Krankenversicherer können potenzielle Mitglieder ablehnen. Im Basistarif besteht jedoch ein Aufnahmezwang. Kündigen darf die Versicherung einem Mitglied normalerweise nicht (Ausnahme: Bei vorvertraglicher Anzeigenverletzung oder Nichtbezahlung der Beiträge).

Geltungs­bereich

GKV: Der Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung hat in der EU und in Ländern mit einem Sozialversicherungsabkommen Gültigkeit.

PKV: Die PKV gilt automatisch europaweit und mindestens einen Monat lang auch außerhalb Europas, bei geringer Zuzahlung auch weltweit.

Kündigung und Wechsel

GKV: Die Kündigung oder der Wechsel in eine andere gesetzliche Kasse beziehungsweise in die private Krankenversicherung ist zum Ende des übernächsten Monats möglich, gerechnet von dem Monat, in dem das Mitglied den Austritt erklärt. Um die Krankenkasse wechseln zu können, müssen Kassenpatienten mindestens 18 Monate dort versichert sein.

Tipp: Preislich und auch hinsichtlich der Leistungen entscheiden sich die Krankenkassen erheblich. Nutzen Sie daher den Krankenkassen Vergleichsrechner, um Ihre optimale Kasse zu finden.

PKV: Versicherte müssen spätestens drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres kündigen. Zuvor sollten sie klären, in welchem Umfang bei einem Anbieterwechsel Altersrückstellungen mitgenommen werden können, zu welchen Konditionen eine Neuversicherung möglich ist und ob bei einem Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung dies überhaupt möglich ist.

Kündigen darf die Versicherung einem Mitglied normalerweise nicht (Ausnahme: Bei vorvertraglicher Anzeigenverletzung oder Nichtbezahlung der Beiträge).

Vorteile und Nachteile der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung gibt es einige Vorteile, von denen Sie im Vergleich zu Kassenpatienten profitieren. Die bevorzugte Behandlung bei Ärzten ist nur einer davon.

Die private Krankenversicherung bietet zudem ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und andere Vorteile, doch sie kann auch Nachteile bringen. Damit Sie die richtige Entscheidung treffen können und mit Ihrer privaten Krankenversicherung langfristig zufrieden sind, ist es sinnvoll, sich auch über mögliche Haken zu informieren.

Vorteile der PKV

Beitragsberechnung

PKV-Beiträge werden unabhängig vom Einkommen berechnet. Gerade bei einem hohen Verdienst ist die private Krankenversicherung im Vergleich zur gesetzlichen Absicherung in der Regel deutlich günstiger. Ein 30-jähriger Angestellter zahlt für ausgewogenen Schutz beispielsweise 220 Euro im Monat, wie der PKV-Vergleichsrechner zeigt.

Leistungen

Als Privatversicherter legen Sie Ihre Leistungen individuell nach Ihren Wünschen fest und genießen oftmals eine bessere medizinische Versorgung.

Berufs­spezifische Tarife

Für einige Berufsgruppen bieten die privaten Krankenversicherer spezielle Tarife an. So können sich Beamte, Ärzte und Studenten preiswert absichern und gleichzeitig vom hohen Leistungsniveau der PKV profitieren.

Wartezeiten und Termin­vergabe

In der Regel erhalten Privatpatienten schneller einen Termin beim Arzt. Auch die Wartezeiten sind meist kürzer.

Medizinischer Fortschritt

Privatversicherte haben schnelleren Zugang zu neuen Behandlungsmethoden.

Leistungs­garantie

Vertraglich zugesicherte Leistungen können nicht gekürzt werden.

Aufenthalt im Krankhaus

Sie können je nach gewählter PKV im Einzelzimmer in Ruhe genesen und haben Anspruch auf die Behandlung durch den Chefarzt. Zudem können Sie Ihre Klinik frei wählen.

Tarifwechsel

Der Wechsel in einen anderen Tarif mit gleichen Leistungen ist beim Versicherer jederzeit möglich und gesetzlich verankert.

Medikamente

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten fallen keinen Zuzahlungen an.

Beitrags­rückerstattung

Viele Versicherer zahlen ihren Kunden Monatsbeiträge zurück, wenn sie innerhalb von zwölf Monaten keine Leistungen genutzt haben. Welche Anbieter entsprechende Tarife im Angebot haben, erfahren Sie über die unverbindliche Beratung durch einen Versicherungsexperten.

Nachteile der PKV

Vorerkrankungen

Personen mit Vorerkrankungen haben es schwerer, eine passende private Krankenversicherung zu finden. Da sich die Beitragshöhe unter anderem am Gesundheitszustand bemisst, führen Vorerkrankungen zudem zu höheren PKV-Kosten.

Gesundheits­prüfung

Bevor Sie eine private Krankenversicherung abschließen können, müssen Sie eine Reihe von Gesundheitsfragen beantworten. So erfasst der Krankenversicherer Ihre gesundheitliche Verfassung.

Absicherung von Familien­mitgliedern

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung können Kinder nicht kostenfrei mitversichert werden. Für sie bieten die Versicherer jedoch spezielle Tarife an.

Beiträge im Alter

Im Alter steigen die Beiträge, da die Versicherer von häufigeren, altersbedingten Behandlungskosten ausgehen. Um den Kostenanstieg abzufedern, bauen Sie mit zehn Prozent Ihres Monatsbeitrags sogenannte Altersrückstellungen auf. Diese kompensieren Beitragserhöhungen nach dem 65. Lebensjahr zum Teil.

Abrechnung

Privatversicherte gehen bei ambulanten Behandlungen stets in Vorkasse. Je nach Rechnungsbetrag kann dies zu einer kurzzeitigen finanziellen Belastung führen, ehe der Versicherer die Kosten erstattet hat. Oftmals reicht die Zahlungsfrist jedoch auch aus, erst die Rechnung beim Versicherer einzureichen und erstattet zu bekommen und dann den Betrag zu bezahlen.

Wechsel in die GKV

Für Privatversicherte ist der Wechsel bzw. die Rückkehr in die GKV nur unter bestimmten (Ausnahme-)Bedingungen möglich. Damit ist die Entscheidung für eine PKV meist auch eine die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden kann. Umso wichtiger ist es, einen Versicherer mit einem stabilen Beitragsniveau und Top-Leistungen zu finden. Hier sollten Sie auf das Knowhow eines Versicherungsfachmanns vertrauen.

Wechsel des Versicherers

Beim Wechsel des Versicherers können bis dahin aufgebaute Altersrückstellungen nur teilweise mitgenommen werden. Eine erneute Gesundheitsprüfung führt zudem dazu, dass der Anbieterwechsel nur für Privatpatienten sinnvoll ist, die erst kurze Zeit privat krankenversichert sind.