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Gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems. In ihr sind ĂŒber 73 Millionen Personen krankenversichert. Es gibt rund 110 gesetzliche Krankenkassen, die sich preislich sowie bei den Leistungen teils deutlich unterscheiden.

Das Wichtigste im Blick

Jeder gesetzlich Versicherte darf seine GKV frei wÀhlen und wechseln.

Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist risikolos mit einer zweimonatigen Frist zum Monatsende möglich.

Einige Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern zusÀtzliche Leistungen wie Zahnreinigungen oder alternative Heilmethoden an.

Welche Voraussetzungen gelten fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung?

In Deutschland gilt die Versicherungspflicht. Das bedeutet, jeder BĂŒrger muss eine Krankenversicherung haben. Um Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse zu werden, gibt es daher keine Voraussetzungen, die erfĂŒllt sein mĂŒssen. Gesetzlich krankenversichern mĂŒssen sich dabei bestimmte Personengruppen. Zu diesen pflichtversicherten Menschen zĂ€hlen unter anderem:

  • Arbeitnehmer, deren jĂ€hrliches Einkommen unter 60.750 Euro brutto liegt (Stand 2019)
  • Rentner
  • Auszubildende
  • EmpfĂ€nger von Arbeitslosengeld

SelbststĂ€ndig und freiberuflich ErwerbstĂ€tige können sich freiwillig versichern, ebenso Beamte und Studenten. Sie haben demnach die Wahl zwischen GKV und PKV, mĂŒssen sich allerdings fĂŒr eine Form der Krankenversicherung entscheiden.

Gesetzliche Krankenversicherung: Kosten und Leistungen im Überblick

Die Leistungen der verschiedenen Krankenkassen sind grĂ¶ĂŸtenteils identisch, da sie zu 95 Prozent gesetzlich vorgeschrieben sind. GrundsĂ€tzlich sind dabei alle medizinisch notwendigen Maßnahmen abgedeckt. DarĂŒber hinaus bieten die Kassen Zusatzleistungen an, etwa die Übernahme einer professionellen Zahnreinigung oder von alternativen Heilmethoden. Daher lohnt es sich, einen genauen Blick auf den Service der eigenen Krankenkasse zu werfen.

Leistungsunterschiede zwischen den Krankenkassen

Der Leistungsumfang in der gesetzlichen Krankenversicherung unterscheidet sich von Kasse zu Kasse. Dies merken Versicherte vor allem, wenn sie beispielsweise eine bestimmte Impfung fĂŒr den Urlaub brauchen oder es um die Zuzahlungen fĂŒr Behandlungen beim Zahnarzt geht. In den folgenden Punkten zeigen sich am hĂ€ufigsten Unterschiede bei den Leistungen der Krankenkassen:

Krebsvorsorge

Zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zĂ€hlen auch Vorsorgeuntersuchungen, etwa beim Zahn- oder Frauenarzt. FĂŒr Kinder und Jugendliche kommen die Krankenkassen umfangreich fĂŒr FrĂŒherkennungsmaßnahmen auf. FĂŒr Erwachsene sind Vorsorgemaßnahmen jedoch an das Alter gebunden, etwa bei der Krebsvorsorge.

DarĂŒber hinaus gibt es fĂŒr Kassenpatienten ab 35 alle zwei Jahre die Möglichkeit eines Gesundheits-Check-ups, bei dem unter anderem Blut- und Urinproben genommen werden, um mögliche Herz-Kreislauf- oder Nierenkrankheiten frĂŒhzeitig zu erkennen.

Impfungen

Eine Reihe von Schutzimpfungen wird von jeder Krankenkasse ĂŒbernommen. Bei Reiseimpfungen gibt es dagegen deutliche Unterschiede in der GKV. Die Kassen zahlen beispielsweise fĂŒr Impfungen gegen

    • Diphterie
    • Tetanus
    • AbhĂ€ngig vom Alter: Haemophilus influenzae Typ B, Hepatitis B, HPV, Masern, Influenza, Mumps, Röteln

Wer sich etwa gegen FSME, Cholera oder Grippe impfen oder sich vorbeugend gegen Malaria schĂŒtzen möchte, kann nicht bei jeder Kasse auf Kostenerstattung zĂ€hlen. Hier sollten Impfwillige im Vorfeld die Versicherungsbedingungen der Krankenkassen studieren oder mit einem unverbindlichen Versicherungsvergleich den passenden Versicherer heraussuchen.

Medikamente

Bei Medikamenten mĂŒssen GKV-Mitglieder in der Regel eine zehnprozentige Zuzahlung leisten. Der Eigenanteil liegt dabei bei mindestens fĂŒnf, aber nie mehr als zehn Euro. Kostet die verschreibungspflichtige Arznei weniger als fĂŒnf Euro, zahlen Kassenpatienten den Betrag komplett selbst. Jedoch ist nicht jedes Medikament erstattungsfĂ€hig. Bei einem grĂŒnen Rezeptschein, etwa fĂŒr die Antibabypille, mĂŒssen die Kosten aus der eigenen Tasche gedeckt werden.

Damit die Zuzahlungen nicht zur finanziellen Belastung werden, ist der Betrag gedeckelt. Macht der selbst gezahlte Anteil fĂŒr Medikamente, Heilmittel und die hĂ€usliche Krankenpflege insgesamt zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens aus, sind Patienten von weiteren Zuzahlungen fĂŒr das jeweilige Jahr befreit. Bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei den gesetzlichen Krankenkassen bei einem Prozent.

Zahnbehandlung

In der gesetzlichen Krankenversicherung wurden die Leistungen beim Zahnarzt in den letzten Jahren deutlich reduziert. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung haben Versicherte jÀhrlich beispielsweise Anspruch auf Zahnsteinentfernung. Auch Wurzelkanalbehandlungen und parodontologische Leistungen zÀhlen zur Zahnvorsorge.

Bei Zahnersatz zahlen die Krankenkassen allerdings nur einen Festzuschuss, mit dem 50 Prozent der Kosten der Regelversorgung gedeckt werden. Wer sein Bonusheft jĂ€hrlich gepflegt hat, kann den Zuschuss auf bis zu 65 Prozent erhöhen. Weicht die Behandlung von der Regelversorgung ab, mĂŒssen die Patienten allein fĂŒr die dadurch entstehenden Mehrkosten aufkommen. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sollten daher mit einer Zahnzusatzversicherung ergĂ€nzt werden.

Kinderkrankengeld

Die Leistung erhalten Eltern beziehungsweise ein Elternteil nur dann, wenn der Arzt ein Attest ausstellt, welches die Notwendigkeit der Kinderbetreuung bescheinigt. Das Kind darf zudem nicht Ă€lter als zwölf Jahre sein. Neben dem Attest brauchen Versicherte eine Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers. Die Höhe des Kinderkrankengelds belĂ€uft sich auf 90 Prozent den Nettoeinkommens, jedoch nicht mehr als 70 Prozent der auf den Tag heruntergerechneten Beitragsbemessungsgrenze. FĂŒr 2016 bedeutet dies einen Betrag von 105,88 Euro.

Auslandsaufenthalt

Wer sich fĂŒr lĂ€ngere Zeit oder auch nur fĂŒr einen Urlaub im Ausland aufhĂ€lt, ist nicht immer ĂŒber die gesetzliche Krankenversicherung versichert. Nur wenn Deutschland mit dem jeweiligen Land ein Sozialversicherungsabkommen (zum Beispiel mit Israel oder der TĂŒrkei) geschlossen hat, es sich um ein EU-Mitgliedsland oder Staaten des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraumes (Island, Liechtenstein, Norwegen) oder um die Schweiz handelt, sind Versicherte mit der EuropĂ€ischen Krankenversicherungskarte geschĂŒtzt. Die Karte erhalten sie bei ihrer Krankenkasse.

Es werden jedoch nur die Kosten fĂŒr die Behandlung in der Höhe ĂŒbernommen, „die bei einer entsprechenden inlĂ€ndischen Behandlung entstanden wĂ€ren“, so das Gesundheitsministerium. Daher lohnt sich der Abschluss einer zusĂ€tzlichen Auslandsreisekrankenversicherung. Das gilt umso mehr bei einem Auslandsaufenthalt in einem Land, in dem die Krankenkassen ĂŒberhaupt nicht fĂŒr die Behandlungskosten aufkommen.

Krebsvorsorge nach Alter
Ab 20 Unter­suchung des Mutter­mundes, Krebs­abstrich beim GynĂ€­kologen, bei Besch­werden gezieltes GesprĂ€ch
Ab 30 Abtasten der Brust
Ab 35 Haut­krebs­screening Hautkrebs­screening
Ab 45 Abtasten Ă€ußerer Geschlechts­organe, Prostata, Lymph­knoten
Ab 50 Mammo­graphie-Screen­ing, Test auf verbor­genes Blut im Stuhl Test auf verbor­genes Blut im Stuhl
Ab 55 Darm­spiegel­ung alle zehn Jahre Darm­spiegel­ung alle zehn Jahre

Wie setzen sich die Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung zusammen?

Der Beitrag in der GKV ist abhÀngig vom Einkommen des Versicherten. Welche Leistungen die jeweilige Krankenkasse bietet, spielt keine Rolle, ebenso wenig wie das Alter und die Vorerkrankungen des Kassenpatienten. Die Kosten der Krankenkassen setzen sich aus einem Grund- und einem Zusatzbeitrag zusammen.

Der Grundbeitrag fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Von diesem ĂŒbernimmt der Arbeitgeber 7,3 Prozent. ZusĂ€tzlich können die Kassen einen Zusatzbeitrag erheben. Dieser ist nicht verpflichtend, dennoch gibt es in Deutschland aktuell keine Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag. 2019 variiert dieser zwischen 0,2 Prozent und 1,7 Prozent, im Schnitt liegt er bei 0,9 Prozent. Dadurch ergeben sich deutliche Preisunterschiede zwischen den Anbietern.

Rechenbeispiel

Ein Angestellter mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro im Monat, also 36.000 Euro im Jahr, bezahlt bei der gĂŒnstigsten Krankenkasse (0,2 Prozent Zusatzbeitrag) 5.328 Euro BeitrĂ€ge jĂ€hrlich. Die Kosten fĂŒr die teuerste Krankenkasse (1,7 Prozent Zusatzbeitrag) liegen bei 5.868 Euro. Das ist eine Differenz von jĂ€hrlich ĂŒber 500 Euro, die Kassenpatienten mit einem Krankenkassenwechsel sparen können.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Die Kosten fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung sind gedeckelt mittels einer Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Verdienen Kassenpatienten 2019 mehr als 4.537,50 Euro brutto im Monat (beziehungsweise 54.450 Euro brutto im Jahr), fĂ€llt fĂŒr den darĂŒber liegenden Betrag kein Versicherungsbeitrag mehr an. Die Beitragsbemessungsgrenze wird jĂ€hrlich neu festgelegt und richtet sich nach der Gehaltsentwicklung in Deutschland.

Fakten und Zahlen zur gesetzlichen Krankenversicherung

Es gibt ĂŒber 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte. Rund 51 Millionen Mitglieder davon zahlen BeitrĂ€ge. Der Rest ist, zum Beispiel ĂŒber die Familienversicherung, beitragsfrei mitversichert. Es gibt verschiedene Kassenarten unterschieden, etwa die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK), Betriebskrankenkasse (BKK), Innungskrankenkasse (IKK) und die Ersatzkasse. Ein Großteil der Krankenkassen ist zudem nicht in jedem Bundesland vertreten. Derzeit sind etwa 40 der knapp 110 Kassen bundesweit geöffnet.

Der aktuell grĂ¶ĂŸte Anbieter in der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Techniker Krankenkasse. Sie verzeichnet rund 10,4 Millionen Versicherte. Auf dem zweiten Rang folgt Barmer GEK mit circa 9,2 Millionen Mitgliedern. Platz 3 geht an die DAK-Gesundheit (5,7 Millionen). Die Top 5 komplettieren die AOK Bayern (4,6 Millionen) und die AOK Baden-WĂŒrttemberg mit 4,4 Millionen Versicherten.

RĂŒckkehr oder Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung

Angestellte, die nicht lĂ€nger gesetzlich krankenversichert sein und in eine private Krankenversicherung wechseln wollen, mĂŒssen ein bestimmtes Mindesteinkommen nachweisen. Nur wenn dieses ĂŒber der sogenannten Versicherungspflichtgrenze liegt, können sich Arbeitnehmer einen privaten Krankenversicherer suchen. Aktuell liegt die auch unter Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bekannte HĂŒrde bei einem Bruttojahreseinkommen von 60.750 Euro.

Um von der privaten wiederum in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, mĂŒssen wichtige Voraussetzungen erfĂŒllt werden.

  • Angestellte können nur in die GKV zurĂŒckkehren, wenn das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze fĂ€llt.
  • SelbststĂ€ndige mĂŒssen ein sozialversicherungspflichtiges AngestelltenverhĂ€ltnis eingehen, bei welchem das Gehalt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt.

Ältere Privatpatienten ĂŒber 55 haben kaum eine Möglichkeit zur RĂŒckkehr in die GKV. Ausnahme: Die Familienversicherung des Partners. HierfĂŒr muss das eigene Einkommen unter 425 Euro pro Monat (450 Euro bei einem Minijob) liegen.