Die private Krankenversicherung: Voraussetzungen, Leistungen, Vorteile

Es gibt rund neun Millionen Personen in Deutschland, die sich für eine private Krankenversicherung (PKV) entschieden haben. Demgegenüber stehen über 72 Millionen Menschen, die gesetzlich krankenversichert sind. Angesichts dieser Zahlen scheint die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)  den besseren Gesundheitsschutz zu bieten. Doch das Gegenteil ist der Fall.

In der privaten Krankenversicherung erhalten Versicherte in der Regel weitaus bessere Leistungen. Sie stehen dem Großteil der Bevölkerung jedoch erst ab einem bestimmten Jahreseinkommen zur Verfügung. Viele Angestellte, die gern in die PKV wechseln würden, sind durch ihr Einkommen an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden. Daher gibt es deutlich weniger Privat- als Kassenpatienten.

Beamte, Selbstständige und einige andere Berufsgruppen können unabhängig von ihrer Einkommenshöhe von den Vorteilen der PKV profitieren. Zu den Vorzügen zählen:

  • Oftmals günstigere Beiträge im Vergleich zur GKV
  • Privatversicherte bestimmen Umfang des Gesundheitsschutzes selbst
  • Kurze Wartezeiten beim Arzt
  • Schneller Termin beim Facharzt
  • Breites Behandlungsspektrum
  • Je nach Tarif hochwertige Versorgung im Krankenhaus, bei Zahnersatz und bei Heilpraktikerbehandlungen
  • Freie Krankenhaus- und Arztwahl
  • Leistungsgarantie

Voraussetzungen für die private Krankenversicherung

Beamte, Freiberufler, Studenten, Beamtenanwärter, Selbstständige und Angestellte mit einem gewissen Einkommen können sich privat krankenversichern. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung dürfen die Versicherer Interessenten allerdings auch ablehnen.

Eine wichtige Voraussetzung ist daher deren gesundheitliche Verfassung. Für Menschen mit schweren Vorerkrankungen ist es daher nicht immer leicht eine private Krankenversicherung zu finden, die ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Gerade hier hilft die Erfahrung eines Fachmannes bei der Suche nach einem passenden Versicherer.

Versicherungspflichtgrenze 2018: Wie viel müssen Angestellte für die PKV verdienen?

Arbeitnehmer, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze übersteigt, werden automatisch versicherungsfrei nach SGB V §6 und können in die private Krankenversicherung wechseln. 2018 müssen Beschäftigte dazu mindestens 4.950 Euro brutto im Monat beziehungsweise mindestens 59.400 Euro im Jahr verdienen. Neben Lohn oder Gehalt sind auch Zuwendungen wie

  • Weihnachts- oder Urlaubsgeld,
  • Gewinnbeteiligungen,
  • pauschale Überstundenvergütung sowie
  • vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers

für die Berechnung des Jahresarbeitsentgeltes relevant.

Ob Angestellte die Versicherungspflicht- beziehungsweise Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreiten und somit die Wahl zwischen PKV und GKV haben, meldet der Arbeitgeber zunächst der gesetzlichen Krankenkasse. Diese informiert dann wiederum den jeweiligen Versicherten. Nach Erhalt der sogenannten Freimeldung müssen Arbeitnehmer der Krankenkasse innerhalb von zwei Wochen ihren Austritt mitteilen. Andernfalls wird für sie zunächst automatisch eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung fortgeführt.

Verpassen Beschäftigte die 14-tägige Frist, können sie ihre freiwillige gesetzliche Mitgliedschaft allerdings unter Berücksichtigung der zweimonatigen Kündigungsfrist jederzeit beenden. Bis zum Ende der Versicherungszeit müssen die der Krankenkasse nur nachweisen, dass sie künftig in der privaten Krankenversicherung versichert sind.

Tipp: Erfüllen Angestellte die Voraussetzungen für die private Krankenversicherung nicht, können sie ihren gesetzlichen Versicherungsschutz mit einer Krankenzusatzversicherung erweitern. [X-selling Kvz gewünscht? Ansonsten Tipp löschen] Diese bietet Kassenpatienten beispielsweise verbesserte Zahnleistungen oder die Kostenerstattung von Alternativmedizin.

Für welche Berufsgruppen eignet sich die private Krankenversicherung?

Die Versicherungspflichtgrenze ist nur für Angestellte und Arbeitnehmer relevant. Für Berufsanfänger gilt allerdings eine Sonderregelung: Wer als Berufseinsteiger ein Angestelltenverhältnis aufnimmt und künftig ein Gehalt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze haben wird, darf sich sofort privat versichern. Detaillierte Informationen für Angestellte zur PKV finden Interessierte hier.

Für Selbstständige und Freiberufler ist die private Krankenversicherung freiwillig und einkommensunabhängig. Gerade für sie kann die private Krankenversicherung im Vergleich zur gesetzlichen Absicherung günstiger ausfallen. Weitere Informationen dazu finden Selbstständige auf dieser Seite.

Für Beamte und Beamtenanwärter ist die private Krankenversicherung aufgrund spezieller Beamtentarife, bei denen die Beihilfe des Dienstherrn berücksichtigt wird, besonders günstig. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung müssen Beamte hingegen den vollen Versicherungsbeitrag bezahlen. Hier finden Staatsdiener alle wichtigen Details zur PKV.

Studenten gehören ebenfalls zu dem Personenkreis, der sich privat versichern kann. Allerdings ist dies nur am Anfang des Studiums möglich. Dazu müssen sich Studierende in den ersten drei Monaten nach Immatrikulation für die PKV entscheiden. Was Studenten noch über die private Krankenversicherung wissen sollten, erfahren sie auf dieser Seite.

Konditionen des jeweiligen Tarifs zu achten.

Einen ausführlichen private Krankenversicherung Vergleich aller Testsieger finden Sie bei privatekrankenversicherungtests.de oder direkt bei versicherungsvergleich.org.

Tarife und Leistungen der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung können Verbraucher ihren Versicherungsschutz individuell zusammenstellen. Entsprechend groß ist das Angebot, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der Versicherten Rechnung trägt. Interessierte können dabei meist zwischen einem Kompakt-Tarif und einem Modul-Tarif wählen.

Kompakt-Tarif

Beim Kompakt-Tarif gibt es nur eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten, jedoch sind sie meist relativ preiswert. Die Leistungen sind fest vorgegeben, das heißt, dass der gesamte Versicherungsschutz für ambulante, stationäre und zahnärztliche Behandlungen im Kompakt-Tarif enthalten ist.
Flexibilität bietet der Tarif bei der Selbstbeteiligung, die entweder Privatpatienten nur für den ambulanten oder auch für den stationären und zahnärztlichen Bereich wählen können. Zielgruppe dieser Tarif-Art sind vor allem preisbewusste Kunden und PKV-Einsteiger.

Modul-Tarif

Beim Modul-Tarif können Privatversicherte den Leistungsumfang weitgehend selbst festlegen. Für ambulante Leistungen sowie Zahnarzt- und Krankenhausbehandlungen stehen unterschiedliche Module bereit. Daraus ergibt sich dann der gewünschte Versicherungsschutz. Interessierte können sich auf diese Weise nur für einen Basisschutz oder auch für hochklassige Leistungspakete entscheiden.

Die private Krankenversicherung bietet umfassenden Schutz bei ambulanten Behandlungen, Krankenhausaufenthalten und Zahnarztbesuchen.

In der Regel sind allgemeinärztliche Behandlungen bei Haus- und Facharzt, verschriebene Medikamente sowie Heil- und Hilfsmittel abgedeckt. Darüber hinaus sollten künftige Privatpatienten auf eine umfassende Erstattung bei häuslicher Krankenpflege und psychotherapeutischen Behandlungen achten.

Im Krankenhaus haben Privatversicherte je nach Tarif Anspruch auf ein Einzelzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt. Zudem können sie ihr Krankenhaus frei wählen, während gesetzlich Krankenversicherte in das nächstgelegene Hospital gebracht werden.

Beim Zahnarzt erstattet die PKV bis zu 100 Prozent der zahnärztlichen Behandlungskosten. Auch bei Zahnersatz fällt die Erstattung abhängig vom Tarif hoch aus. In den ersten Jahren kann jedoch eine sogenannte Zahnstaffel gelten, wodurch die Kostenerstattung zunächst begrenzt ist. Ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen gibt Aufschluss über etwaige Erstattungseinschränkungen.

Privatpatienten können die jeweiligen Komfort- und Module-Tarife mit weiteren Leistungen aufstocken:

  • Krankenhaustagegeld: Selbstständige, die keine Lohnfortzahlung bekommen, sollten ein Krankenhaustagegeld in ihre private Krankenversicherung integrieren. Dadurch erhalten sie für jeden Tag der stationären Behandlung einen vorab festgelegten Betrag, der Einkommenseinbußen durch den Krankenhausaufenthalt abfedert.
  • Pflegezusatzversicherung: Privatversicherte erhalten bei Pflegebedürftigkeit die gleichen Leistungen wie gesetzlich Krankenversicherte. Diese fallen jedoch insbesondere bei hohem Pflegebedarf gering aus, sodass Pflegebedürftige einen Großteil der Pflegekosten selbst zahlen müssen. Entsprechend sinnvoll ist eine private Pflegevorsorge.
  • Entlastungstarife zur Beitragssenkung im Rentenalter: Mit dieser Option sinkt der Versicherungsbeitrag im Alter um einen festen Betrag oder Prozentsatz. Bei einem Versicherungswechsel oder der Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung gehen jedoch alle bis dahin gesammelten Ansprüche verloren.
  • Beitragsrückerstattung: Haben Versicherte einen solchen Tarif gewählt, erhalten sie einen Teil ihrer Beiträge zurück, wenn sie innerhalb eines festen Zeitraumes, etwa ein Jahr, keine Rechnungen bei ihrem Versicherer eingereicht haben.

Checkliste für die private Krankenversicherung: Was ist wichtig?

Vor Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist es sinnvoll, sich einige Gedanken über den gewünschten Versicherungsschutz zu machen. Denn aufgrund der Vielzahl an Tarifen und Kombinationsmöglichkeiten können Interessierte leicht den Überblick verlieren, was bei ihrer PKV wichtig ist und ob sie an alles gedacht haben.

Unsere Checkliste hilft ihnen dabei, die einzelnen PKV-Leistungen Punkt für Punkt durchzugehen. Ist der gewünschte Leistungsumfang einmal abgesteckt, finden sich künftige Privatversicherte wesentlich besser im Tarifdschungel zurecht.

Um noch schneller eine passende private Krankenversicherung zu finden, empfiehlt sich die Unterstützung durch einen Versicherungsexperten. Er kennt sich nicht nur mit den unterschiedlichen PKV-Tarifen aus, sondern gibt auch hilfreiche Tipps beim Vertragsabschluss.

Checkliste PKV (86,6 kB)

Fünf wichtige Fragen zur PKV

Wie funktioniert die Kostenerstattung?

Privatversicherte bezahlen die Rechnungen für Medikamente, Ärzte und Co. zunächst selbst und reichen diese im nächsten Schritt beim Versicherer ein. Dieser erstattet die Kosten dann wie vertraglich vereinbart. Beim Krankenhausaufenthalt erfolgt die Abrechnung häufig direkt zwischen Hospital und Versicherungsunternehmen.

Kann die Familie mitversichert werden?

Anders als in der GKV können Familienmitglieder nicht kostenlos mitversichert werden. Für Kinder gelten in der Regel jedoch günstige Sondertarife.

Ist eine PKV auch bei Vorerkrankungen möglich?

Personen, die sich privat versichern wollen, müssen dem Anbieter einige Gesundheitsfragen beantworten. Bei Vorerkrankungen kann es dazu kommen, dass die Versicherung teurer wird oder einzelne Leistungen ausgeschlossen werden, die mit den bisherigen Erkrankungen zusammenhängen.

Können Angestellte sofort in die PKV wechseln, wenn ihr Einkommen hoch genug ist?

Das Einkommen von Angestellten muss mindestens zwölf Monate über der Versicherungspflichtgrenze liegen, ehe sie in die private Krankenversicherung wechseln können.

Was sind Altersrückstellungen?

Unter Altersrückstellungen ist ein finanzieller Puffer zu verstehen, mit dem steigende Versicherungskosten mit zunehmendem Alter abgefedert werden. Die Rücklagen werden mit den monatlichen Beiträgen gebildet.

Private Krankenversicherung kündigen und wechseln

Privatpatienten, die in die private Krankenversicherung wechseln möchten, sollten die Kündigungsfrist ihrer alten Versicherung und den Versicherungsbeginn ihres neuen Tarifs beachten. Im Normalfall können sie zum Jahresende mit einer Frist von drei Monaten kündigen.

Eine fristlose Kündigung und ein sofortiger Wechsel sind möglich, wenn der Krankenversicherer die Beiträge anhebt. Ab dem Zeitpunkt, an dem Versicherte über die Beitragserhöhung informiert werden, verbleiben ihnen zwei Monate, um einen neuen Versicherer zu finden. Der Wechsel des Anbieters kann jedoch einige Nachteile haben:

  • Altersrückstellungen gehen zum Teil verloren
  • Höheres Alter kann höheren Versicherungsbeitrag beim neuen Anbieter bedeuten
  • Vorerkrankungen, die bei Vertragsabschluss noch nicht vorlagen, werden nun durch eine erneute Gesundheitsprüfung abgefragt und können die neue PKV verteuern

Sinnvoller ist daher ein Tarifwechsel beim bisherigen Versicherungsunternehmen.

Der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur möglich, wenn Privatversicherte sozialversicherungspflichtig angestellt sind und ein Jahresbruttoeinkommen erzielen, das unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt.

Personen, die älter als 55 Jahre sind, können sich von wenigen Ausnahmen abgesehen nur über die Familienversicherung des Ehepartners gesetzlich krankenversichern. Dazu darf das Einkommen jedoch noch höher als 435 Euro im Monat sein beziehungsweise 450 Euro bei einem Minijob.