Selbstständige haben die Qual der Wahl

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern können Selbstständige und Freiberufler bei der Auswahl der Krankenversicherung zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der privaten Krankenvollversicherung frei wählen. Doch welche Form der Krankenversicherung für Selbstständige wirklich empfehlenswert ist, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern ist stark von der persönlichen beruflichen und familiären Situation abhängig.

Ist die PKV oder die GKV für Selbstständige günstiger?

Selbstständige, die vor der Entscheidung zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung stehen, sollten wissen, dass sich die beiden Formen nicht nur hinsichtlich der angebotenen Leistungen unterscheiden. Auch die Beitragserhebung erfolgt unter grundsätzlich unterschiedlichen Maßstäben.

Bei der privaten Krankenversicherung spielt das Einkommen hingegen keine Rolle. Das bedeutet, dass vor allem gutverdienende Selbstständige hier profitieren können. Die Prämie für die private Krankenversicherung wird anhand des Alters des Versicherten, des persönlichen Gesundheitszustands und der gewünschten Leistungen ermittelt. Natürlich bedeutet ein Mehr an Leistungen auch einen höheren Krankenversicherungsbeitrag. Junge und gesunde Versicherte zahlen hingegen vergleichsweise niedrige Beiträge.

Da der Beitrag bei der privaten Krankenversicherung für Selbstständige sehr individuell berechnet wird, ist der Vergleich zwischen einzelnen Angeboten komplexer als bei der gesetzlichen Krankenkasse. Selbstständige, die sich privat versichern lassen wollen, profitieren von einem Tarifvergleich durch einen Experten. Gerade Selbstständige mit Kindern müssen dabei auch beachten, dass es die kostenlose Familienmitversicherung bei der PKV nicht gibt.

Der gesetzliche Krankenkassenbeitrag ist dabei einkommensabhängig. Bei Selbstständigen mit einem Einkommen über 4237,50 Euro monatlich (Stand 2016) beträgt der Beitrag ohne Krankengeldanspruch inklusive gesetzlicher Pflegeversicherung 692,83 Euro pro Monat plus den kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Wer ein niedrigeres Einkommen nachweisen kann, zahlt entsprechend weniger, jedoch mindestens 356,23 Euro monatlich plus Zusatzbeitrag. Allerdings gibt es Ausnahmen für Selbstständige, die einen Gründungszuschuss erhalten oder unter eine Härtefallregelung fallen. Hier beträgt der Mindestbeitrag 2016 ohne Zusatzbeitrag 237,48 Euro.

Krankenversicherung für Selbstständige

Welche Vor- und Nachteile hat die PKV oder die GKV für Selbstständige?

Sowohl bei PKV als auch GKV gibt es Vor- und Nachteile für Selbstständige. Im Gegensatz zu Arbeitnehmern müssen sie bei beiden Versicherungsformen den Versicherungsbeitrag vollständig selbst aufbringen, weshalb ein Vergleich der Beitragshöhen für sie noch wichtiger ist. Insbesondere Selbstständige mit Kindern müssen zudem bedenken, da es die Familienversicherung nur bei der GKV gibt.

So funktioniert die Familienversicherung

Kinder bis zum 25. Lebensjahr und Ehepartner ohne eigenes Einkommen können in der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos mitversichert werden. Bei der privaten Krankenversicherung muss hingegen für jedes Familienmitglied ein eigener Vertrag abgeschlossen werden, wodurch zusätzliche Kosten entstehen.

Mehr zum Thema Familienversicherung und Krankenversicherung für Kinder.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten Selbstständige eine gute Grundversorgung, allerdings werden viele Leistungen, die je nach Tarif in der PKV möglich sind, von den Krankenkassen nicht erstattet. So kann mit der privaten Krankenversicherung die Kostenerstattung von Sehhilfen, Heilpraktikerbehandlungen und Zahnersatz vereinbart werden – Leistungen, für die die GKV nur zu einem geringen Teil oder gar nicht aufkommt. Bei einem Krankenhausaufenthalt werden Privatpatienten mit entsprechenden Tarifleistungen vom Chefarzt behandelt und in einem Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht. Hinzu kommt, dass die Wartezeiten beim Arzt oder der Terminabsprache mit einem Facharzt bei der PKV deutlich geringer sind, da sie oft bevorzugt behandelt werden.

Allerdings hat die private Krankenversicherung einen wichtigen Nachteil, dessen sich Selbstständige vor dem Wechsel bewusst werden sollten. Der gesetzliche Krankenkassenbeitrag ist abgesehen von der Höhe des Zusatzbeitrags festgelegt. Deutliche Beitragssteigerungen sind daher nicht wahrscheinlich. Bei der privaten Krankenversicherung kann der Versicherer den Versicherungsbeitrag hingegen im Laufe der Zeit stark anheben, beispielsweise wenn die Ausgaben für die gesundheitliche Versorgung stark ansteigen. Zwar haben Privatpatienten die Möglichkeit, in einen anderen Tarif mit geringeren Beiträgen zu wechseln. Allerdings klettert der Beitrag bei der PKV im Wesentlichen nach und nach in die Höhe. Wer allein aufgrund einer niedrigeren Prämie in die PKV wechseln will, sollte daher überlegen, ob dies langfristig wirklich sinnvoll ist.

Welche Tarife sind sinnvoll?

Selbstständige, die gesetzlich versichert sind, können sich teilweise durch einen Krankenkassenwechsel bessere Leistungen sichern. Die Regelversorgung unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Kassen jedoch nicht.

Anders verhält es sich bei der privaten Krankenversicherung. Hier haben die Anbieter jeweils gleich mehrere verschiedene Tarife im Angebot, die ganz unterschiedliche Leistungen und Beitragsniveaus bieten. Je nachdem, auf welche Leistungen dabei Wert gelegt wird, empfehlen sich Tarife mit einem soliden Grundschutz, mit erweiterten Leistungen oder aber einer Rundum-Absicherung.

Was passiert nach einer Insolvenz, wenn man als Selbstständiger privat versichert ist?

Gerade Selbstständige, die sich privat krankenversichern lassen, fragen sich, was geschieht, wenn ihre Existenzgründung doch keinen Erfolg hat oder das Geschäft später beispielsweise aus Altersgründen aufgegeben wird. Grundsätzlich verliert niemand einfach so seinen Versicherungsschutz. Da es eine allgemeine Krankenversicherungspflicht in Deutschland gibt, ist auf jeden Fall gewährleistet, dass ein Krankenversicherungsschutz besteht. Die Frage hierbei ist vorrangig, ob man als privat versicherter Selbstständiger weiterhin in der PKV bleibt oder eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung erfolgt.

Das ist abhängig von mehreren Faktoren. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn wieder ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis aufgenommen wird. Dabei muss das Einkommen unter der aktuellen Versicherungspflichtgrenze (57.600 Euro brutto jährlich, Stand 2017) liegen, sonst verbleibt der Versicherte automatisch bei der PKV. Selbstständige, die eine neue Existenz gründen, haben demnach keine Wahl – sie können auch dann nicht in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren, wenn sie das gerne möchten. Das gilt im Übrigen auch für Versicherte ab 55 Jahre.

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