Interview mit Dr. Daniel Schneider: Telemedizin.

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion

Redakteurin

Interview mit Dr Daniel Schneider

Dr. Daniel Schneider

von KRY

Telemedizin: Weniger Lobby-Denken, mehr Zentrierung auf das Patienteninteresse

Seit Beginn der Corona-Krise ist die Video-Sprechstunde beim Arzt deutlich gefragter. Bereits seit drei Jahren ist diese eine kassenärztliche Regelleistung. Dabei gibt es viele Anbieter, die mit den Krankenversicherungen zusammenarbeiten und die Online-Sprechstunde mit einem Mediziner ermöglichen. Einer von ihnen ist KRY. Das Gesundheitsunternehmen hat in Deutschland schon mehr als zwei Millionen Video-Sprechstunden durchgeführt und ist der größte europäische Anbieter von Telemedizin.

Das Unternehmen hat die wachsende Nachfrage der Patienten während der Hochphase der Corona-Krise deutlich gespürt. So nahm die Zahl der Video-Termine um mehr als 300 Prozent zu, sagt Daniel Schneider, General Manager von KRY, im Interview. Mit uns hat er darüber gesprochen, warum KRY überhaupt gegründet wurde und welches Potenzial die Telemedizin in Deutschland hat.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie meidet so mancher Patient den Arztbesuch. Telemedizinische Angebote gewinnen so an Bedeutung. Wie haben Sie das wachsende Interesse bemerkt, sowohl vonseiten der Versicherten als auch vonseiten der Versicherer?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

Die aktuelle Krise fördert die Nutzung vieler neuer Technologien. Die Corona-Krise hat vielen Versicherten die Vorteile von Video-Sprechstunden vergegenwärtigt und hatte damit eine enorme Katalysatorfunktion.

Zur Hochphase der Corona-Pandemie gab es eine stark gewachsene Nachfrage von Patienten, unsere Video-Sprechstunden via KRY zu nutzen: Die Zahl der Video-Termine in Deutschland ist beispielsweise von Februar auf März um mehr als 350 Prozent gestiegen. Diese starken Zuwächse ergeben sich sicher auch aus den kostenfreien Angeboten von KRY: Um das Gesundheitssystem zu entlasten, bieten wir allen Patienten mit COVID-19-Symptomen via App kostenfrei einen Symptom-Check sowie Video-Sprechstunden an. Viele Menschen sind auch dem Rat offizieller Stellen gefolgt, Wartezimmer zu entlasten – auch um sich selbst und andere vor Infektionen zu schützen.

Auch den Krankenversicherungen ist der gestiegene Wunsch der Patienten bewusst. Denn bereits heute wünschen sich 66 Prozent der Deutschen, dass Ärzte ihre Sprechstunden auch online anbieten. Private Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten der KRY Video-Sprechstunden. Damit auch die gesetzlichen Krankenkassen die Video-Sprechstunden übernehmen, durchläuft KRY aktuell den Zertifizierungsprozess.

Mit wem arbeiten Sie auf dem deutschen Markt zusammen?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

KRY arbeitet in Deutschland ausschließlich mit Ärzten zusammen, die in Deutschland niedergelassen sind. Zudem arbeiten wir mit starken Kooperationspartnern wie der Signal Iduna Krankenversicherung a.G. zusammen.

Was kostet die Online-Sprechstunde, wenn keine Krankenkasse oder kein Versicherer diese übernimmt?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

Alle Ärzte von KRY rechnen nach der gültigen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Der Patient erhält die Rechnung nach dem Termin in der Inbox der KRY App. Alle Privatversicherten können die Rechnung bei ihrer Krankenkasse zur Erstattung einreichen. Gesetzlich Versicherte müssen die Kosten aktuell noch selbst tragen. Die Kosten können je nach Tag zwischen 31 und 64 Euro variieren.

Für den Bereich Online-Sprechstunde gibt es bereits viele Anbieter. Was ist das besondere an Ihrer App?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

Unser Gründer Johannes war selbst regelmäßig als Patient beim Arzt. Er hatte immer wiederkehrende Halsschmerzen, was bedeutete, dass er regelmäßige Arzttermine brauchte. Es war jedoch häufig schwierig, einen Termin zu einem Zeitpunkt zu bekommen, der in seinen Zeitplan passte. So ist die Idee entstanden.

KRY macht somit aus, dass es von Patienten für Patienten entwickelt wurde. Die Wünsche und die Bedürfnisse der Patienten stehen für uns immer im Mittelpunkt und so ist die App konsequent darauf ausgelegt, eine schnelle, einfache, unkomplizierte und gleichzeitig hochwertige medizinische Beratung zu gewährleisten.

Dass wir den Patienten immer im Blick haben, zeigt sich zum Beispiel indem sie einen Termin meist in weniger als 30 Minuten erhalten. Mit der Vorabfrage von Symptomen vor dem Termin stellen wir sicher, dass der Patient den richtigen Arzt als Gesprächspartner zugeordnet bekommt und gleichzeitig kann sich so der Arzt auf das Gespräch optimal vorbereiten. Überweisungen oder Krankschreibungen erhalten die Patienten unkompliziert direkt nach ihrem Termin in ihrer Inbox. Um erforderliche Medikamente zu erhalten, haben die Patienten die Wahl, diese in einer Wunschapotheke in ihrer Nähe abzuholen oder direkt postalisch zugeschickt zu bekommen.

Sie sind in mehreren europäischen Ländern aktiv. Welche Unterschiede gibt es Ihrer Meinung nach bei der Telemedizin zwischen diesen Staaten und in welchem sind die Bedingungen am besten?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

KRY wurde 2014 in Schweden gegründet und ist ein etablierter Telemedizin-Anbieter. In Schweden ist die Digitalisierung des Gesundheitssektors jedoch auch in anderen Bereichen weiter fortgeschritten und Video-Sprechstunden werden als wichtiger Baustein des Gesundheitswesens wahrgenommen.

In Deutschland steht diese Entwicklung jedoch noch am Anfang: Zentrale Fundamente für ein effizientes, digitales Gesundheitssystem wie das E-Rezept fehlen noch. Wir sehen aber in den letzten zwei Jahren viel Bewegung in diesem Bereich.

Der Blick nach Schweden zeigt eindrücklich, dass Patienten die Vorteile der Video-Sprechstunden nutzen und Digitalisierung zu einer besseren und einfacheren Gesundheitsversorgung führt – wobei der Patient immer im Mittelpunkt steht.

Welche Unterstützung gibt es seitens der Bundesregierung bei der Telemedizin?

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion
Interview mit Dr Daniel Schneider

Daniel Schneider: Zunächst können wir festhalten, dass die regulatorischen Veränderungen der letzten Jahre die Möglichkeiten für die Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen stark erweitert haben und wir jetzt erst am Anfang vieler neuer Entwicklungen stehen.

Wir wünschen uns, dass mit Hochdruck an der Umsetzung wesentlicher Infrastrukturmaßnahmen, allem voran dem E-Rezept, gearbeitet wird, um digitale Gesundheitslösungen zu vereinfachen und für die Patienten schnell und hürdenlos nutzbar zu machen. Hier wünschen wir uns weniger Lobby-Denken, sondern eine Zentrierung auf die Interessen des Patienten. So hat sich in der Krise auch gezeigt, dass der Mut zur Lockerung von starren Regeln und mehr Flexibilität erforderlich ist – zum Beispiel in der Lockerung der 20-Prozent-Beschränkung auf telemedizinische Leistungen in der Abrechnung durch Kassenärzte.

Vor allem wünschen wir uns fortgesetzten Veränderungswillen und den Mut, kontinuierlich weiter zu hinterfragen und zu verändern, wo dies notwendig und geboten ist, um im Interesse der Patienten und der Qualität der Gesundheitsversorgung Fortschritte zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Schneider.

Anja Schlicht - Krankenversicherung.net Redaktion