Steigende Beiträge bei den Krankenkassen erwartet

04.06.2016 | Autor: Juliane Wellisch

Vergangene und geplante Gesundheitsreformen werden in Zukunft wohl ungeahnt hohe Kosten verursachen. Die finanziellen Belastungen liegen zwar zunächst bei den Krankenkassen, sollen aber auf die Versicherten verlagert werden. So könnte sich der Zusatzbeitrag in den kommenden Jahren sogar verdoppeln.

Anfang 2015 wurde in Deutschland flächendeckend der Sonderbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung abgeschafft und gleichzeitig der gesetzliche Grundbetrag für Arbeitnehmer auf einheitliche 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens festgelegt. Der Arbeitgeber übernimmt davon die Hälfte. Außerdem dürfen die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag in selbst festgelegter Höhe erheben, um ihre individuellen Ausgaben zu decken. Dieser liegt häufig bei 0,9 Prozent. Nun zeichnet sich ab, dass die vor allem durch Gesundheitsreformen steigenden Kosten damit nicht aufgefangen werden können.

Die Belastung der Versicherten in Zahlen

Nach Schätzungen des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird das Defizit in den kommenden vier Jahren etwa zehn Milliarden Euro betragen. Um dieses auszugleichen, könnte der Zusatzbeitrag jährlich um 0,3 Prozentpunkte steigen. Im Jahr 2019 könnte der Zusatzbeitrag so bereits zwischen 1,4 und 1,8 Prozent liegen. Insgesamt ergebe sich so für den Arbeitnehmer eine monatliche Belastung von bis zu 9,1 Prozent.

Gründe für die steigenden Ausgaben

Die für die Krankenkassen belastenden Ausgaben werden vor allem durch gesetzliche Gesundheitsreformen verursacht. Eine geplante Krankenhausreform soll die Qualität von Kliniken verbessern. Nun schätzt der GKV, dass die Kosten dafür um 2,2 Milliarden Euro höher als erwartet ausfallen könnten. Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz soll unter anderem die Niederlassung von Ärzten in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte, etwa auf dem Land, gefördert werden. Dies wird für die Kassen ebenfalls teuer. Wachsende Kosten für Medikamente und steigende Arzthonorare wirken sich zusätzlich belastend auf die Beiträge aus.