Solidargemeinschaft: Die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder zählt

14.06.2018 | Autor: Annabell Meyer

Urban Vogel

Urban Vogel von der Samarita Solidargemeinschaft

Seit Jahrzehnten gibt es in Deutschland als Alternative zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung sogenannte Solidargemeinschaften wie die Samarita. Das Besondere an ihnen ist, dass sich die Mitglieder gegenseitig finanzielle und menschliche Unterstützung zusichern und Arzt und Patient gemeinsam über die medizinisch angemessene Therapie entscheiden. So bestehen keine Beschränkungen durch einen festgeschriebenen Leistungskatalog. Der persönliche Kontakt sowie die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder sind dabei essentiell.

Doch obwohl Solidargemeinschaften keinesfalls neu sind, kämpfen sie noch immer um ihre rechtliche Anerkennung. Nach einem fast zehn Jahre langen Streit hat die Barmer Ersatzkasse kürzlich die Samarita Solidargemeinschaft e.V. als anderweitige Absicherung anerkannt und einer Kassenpatientin den Wechsel erlaubt. Im Interview erklärt betont Urban Vogel, Vorstandssprecher der Samarita, wie es dazu kam und worauf es als Mitglied in der Gemeinschaft noch ankommt.

Herr Vogel, die Barmer Ersatzkasse hat die Samarita als anderweitige Absicherung anerkannt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Urban Vogel: Die Barmer begründet ihre Anerkennung der Samarita damit, dass in der Vergangenheit der dauerhafte Rechtsanspruch der Versicherten auf Leistungen in der Satzung der Solidargemeinschaft nicht verankert gewesen sei, nun aber alle leistungsrechtlichen Ansprüche erfüllt seien. Diese Präzisierung in den Statuten hatten wir allerdings schon 2013 vorgenommen. Die Erlaubnis zum Wechsel hätte die Barmer also spätestens damals schon erteilen können.

Dennoch freuen wir uns, dass sie es immerhin jetzt tut und die Samarita als anderweitige Absicherung im Krankheitsfall de facto anerkennt. Das ist ein Durchbruch.

Bedeutet die Entscheidung, dass Ihre Solidargemeinschaft nun auch von anderen Kassen anerkannt wird?

Urban Vogel: Wir sehen in dem Schritt der Barmer ein Signal an alle gesetzlichen Kassen, wechselwillige Mitglieder zur Samarita Solidargemeinschaft ziehen zu lassen. Die Kassen haben sich da bislang restriktiv verhalten. Das wird sich hoffentlich jetzt zum Positiven ändern.

Wie viele Mitglieder hat die Samarita bereits und warum entscheiden sich diese für die Absicherung über eine Solidargemeinschaft?

Urban Vogel: Die Samarita hat 320 Mitglieder und ist Teil des Dachverbands der Solidargemeinschaften im Gesundheitswesen (BASSG), in dem insgesamt rund 8.000 Mitglieder abgesichert sind. Unsere Mitglieder leisten sich gegenseitig finanzielle und menschliche Unterstützung. Sie erhalten im Krankheitsfall die am besten geeignete Therapie ohne die Einschränkungen eines Leistungskatalogs und zahlen einen vom Einkommen und der Familiengröße abhängigen Beitrag.

Die Mitglieder entscheiden eigenständig, welche Kosten sie unmittelbar selbst tragen und welche Ausgaben von der Gemeinschaft übernommen werden sollen. Der größte Unterschied zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung ist die persönliche Solidarität mit anderen Mitgliedern und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Welche Verpflichtungen sind mit einer Mitgliedschaft bei der Samarita verbunden?

Urban Vogel: Unsere Mitglieder helfen sich gegenseitig und in vielen Belangen auch direkt. Dazu sollten sie bereit sein, persönlich mit anderen Mitgliedern in Kontakt zu treten. Jeder verhält sich so, dass er auf seine Gesundheit achtet und mit seinen Beiträgen für erkrankte Mitglieder einsteht, egal wie viel er selbst an Krankheitskosten verursacht hat.

Wie läuft die Kostenübernahme ab, wenn ein Mitglied eine umfangreiche und vor allem teure Behandlung benötigt?

Urban Vogel: Das Mitglied erhält vom Arzt oder Krankenhaus eine Rechnung, die es in der Geschäftsstelle einreicht. Die Rechnung wird geprüft und entweder auf das Konto des Mitglieds oder direkt an das Krankenhaus überwiesen. Es gibt außerdem eine Zuwendungsordnung, welche die alltäglichen Dinge regelt, zum Beispiel in welchem Umfang Zahnersatz unterstützt wird. Bei absehbaren Kosten über 1.000 Euro wird ein Kostenvoranschlag eingereicht. Für hohe Krankheitskosten besteht zusätzlich eine Art Rückversicherung.

Wie gehen Sie damit um, wenn eines Ihrer Mitglieder zurück in die gesetzliche oder private Krankenversicherung wechseln möchte?

Urban Vogel: Das kommt glücklicherweise nur sehr selten vor. Wir haben selbstverständlich kein Problem damit und stimmen dem Wechselwunsch unserer Mitglieder zu.

Vielen Dank für das Interview, Herr Vogel.