Private Krankenversicherung verbucht Aufwärtstrend

01.02.2017 | Autor: Anja Schlicht

In den letzten Jahren hat die private Krankenversicherung (PKV) viele Privatversicherte durch ihren Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verloren als umgekehrt hinzugewonnen. Doch langsam zeichnet sich eine Trendwende ab. Denn 2016 gab es bei 120.000 Wechslern aus der PKV in die GKV 121.000 Neuzugänge.

Private Krankenversicherung verliert weniger Versicherte

Während die private Krankenversicherung im Bereich der Zusatzversicherungen – etwa Zahnzusatz- oder stationäre Krankenzusatzversicherung – stetig an Kunden hinzugewinnt, läuft es bei der Krankennvollversicherung eher schleppend. In den letzten Jahren nahm die Zahl der Vollversicherten stetig ab. Doch zwischen Juli und Dezember 2016 gab es dem PKV-Verband zufolge erstmals seit 2012 wieder mehr Verbraucher, die sich für die private Krankenversicherung entschieden haben, als Abgänge. Auf das ganze letzte Jahr gerechnet ergibt sich nur noch ein leichtes Minus von 0,2 Prozent beziehungsweise 17.300 Personen. Insgesamt verbuchten die verschiedenen Anbieter 8,77 Millionen Privatversicherte. 2015 waren es noch 8,79 Millionen Personen.

 

Ausgeglichene Bilanz von Ab- und Zugängen aus der GKV

„Im Neugeschäft geht es seit dem Tiefpunkt 2013 (minus 66.200 Personen) Jahr für Jahr kontinuierlich aufwärts“, erläutert PKV-Verbandschef Uwe Laue die Zahlen. Dabei hebt er die ausgeglichene Wechselbilanz zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung hervor. Während sich 121.000 Kassenpatienten für den Wechsel in die private Krankenversicherung entschieden haben, wollten oder mussten 121.000 privatversicherte Menschen in eine gesetzliche Krankenkasse. Ob der Wechsel in die GKV dabei freiwillig gewesen ist, lässt Laue offen. Auch 2016 mussten „zigtausende seit Geburt privatversicherte junge Leute bei Beginn ihres Berufslebens in die GKV wechseln, ob sie das nun wollten oder nicht.“ Auch tausende Selbstständige verloren ihre private Krankenversicherung, nachdem sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen hatte, so Laue.

Darüber hinaus ist die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JEAG) im letzten Jahr und auch 2017 gestiegen. Diese gibt an, ab welchem Einkommen Arbeitnehmer in die PKV gehen können. 2016 stieg die Grenze um 1.350 Euro auf ein Bruttojahreseinkommen von 56.250 Euro. Durch die Anpassung der JAEG ist es möglich, dass manche Privatversicherte zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gehen mussten, da die Höhe ihres Einkommens nicht mehr für eine private Absicherung ausgereicht hat.

Krankenzusatzversicherung: 25-Millionen-Marke übersprungen

Zusammen mit den Zahlen zur Zusatzversicherung beläuft sich die Gesamtzahl der abgeschlossenen Versicherungen auf 33,87 Millionen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 33,56 Millionen. Dabei haben die Zusatzversicherungen nun die 25-Millionen-Marke geknackt. Dies zeige dem PKV-Verband zufolge den fortsetzenden „Trend zu privater Vorsorge, um den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung aufzustocken.“

Den wohl größten Anteil bei den Zusatzversicherungen macht die private Zahnzusatzversicherung aus. Im Oktober 2016 verzeichneten die Anbieter insgesamt 15,32 Millionen Verträge.