Krankenversicherer informieren nur unzureichend über Zusatzbeiträge

09.02.2016 | Autor: Anja Schlicht

Gesetzlich Krankenversicherte müssen bei den meisten Krankenkassen seit Januar 2015 einen Zusatzbeitrag bezahlen. Wie hoch dieser ausfällt, legt jede Krankenkasse selbst aus. Dadurch ergeben sich deutliche Beitragsunterschiede. Allerdings zeigt sich nun, dass viele Kassen bei einer Beitragserhöhung nur unzureichend informieren. Oft verbirgt sich die entsprechende Auskunft hinter schwammigen Formulierungen.

Beitragserhöhung?! Krankenkassen verschleiern Beitragsanpassung

Verbraucherschützer sind alarmiert. Zum Jahreswechsel haben zahlreiche Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag erhöht, allerdings sind sich viele Kassenpatienten dessen nicht bewusst. Der Grund: Die gesetzlich vorgeschriebenen Informationsschreiben zu den Beitragserhöhungen verstecken die Auskunft über den gestiegenen Beitragssatz häufig zwischen Werbebotschaften. Teilweise ist dabei noch nicht einmal von einer Erhöhung direkt die Rede. Versicherte erhalten so leicht den Eindruck, es hätte sich nichts geändert. Dabei haben sie nach einer Erhöhung die Möglichkeit, die Kasse zu wechseln und sich einen günstigeren Anbieter zu suchen.

 

Krankenkassen: Informationsschreiben bleiben undurchsichtig

Aktuell berichtet der Tagesspiegel von der deutlichen Kritik von Verbraucherschützern an dem Wortlaut der Schreiben. So hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen analysiert, wie eine Beitragserhöhung bei verschiedenen Kassen zum Jahreswechsel kommuniziert wurde. Die DAK-Gesundheit betitelte ihr Schreiben beispielsweise mit „Fairer Beitrag – ausgezeichnete Angebote“, obwohl sie nach einer Beitragserhöhung von 0,6 Prozentpunkten nun zu den teuersten gesetzlichen Krankenkassen gehört. Bei der HEK wird der Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht sogar gleich genutzt, um den Versicherten zur Kundenwerbung zu animieren. „Mit jeder Änderung des individuellen Zusatzbeitragssatzes entsteht auch ein Kündigungsrecht. Deshalb empfehlen Sie uns gerne Freunden und Verwandten, die ebenfalls von den Vorteilen der Business-K(l)asse profitieren möchten.”

So sieht die gesetzliche Auskunftspflicht aus

Wenn Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag erhöhen, dann müssen sie ihre Versicherten davon zeitnah in Kenntnis setzen. Dabei muss die Auskunft in einem eigenständigen Schreiben und nicht etwa in Mitgliedszeitschriften erfolgen. Zudem muss der Versicherte über das Sonderkündigungsrecht aufgeklärt werden. Dieses ist vor allem für Kassenpatienten relevant, die kürzer als 18 Monate bei ihrer derzeitigen Krankenkasse versichert sind. Denn sie können normalerweise nicht kündigen – eine Beitragserhöhung rechtfertigt jedoch eine außerordentliche Kündigung. Damit sich Kassenpatienten einen Überblick über die günstigsten Krankenkassen machen können, ist auch ein Hinweis auf eine online verfügbare Kassenliste mit den aktuellen Beitragssätzen gesetzlich vorgeschrieben. Liegt der neue Beitragssatz über dem Durchschnitt, muss der Versicherte darüber hinaus ausdrücklich auf die Möglichkeit eines Kassenwechsels hingewiesen werden.

Das Bundesversicherungsamt hat angesichts der verschleiernden Infoschreiben bisher allerdings wenig unternommen. Einzig die HEK hat eine Rüge erhalten. Viele gesetzlich Krankenversicherte werden daher wohl auch bei der nächsten Beitragserhöhung nur ein sehr schwammig formuliertes Infoschreiben erhalten.