Fluktuation zwischen PKV und GKV

10.08.2015 | Autor: Juliane Wellisch

Aktuelle Zahlen zeigen, dass seit 2013 weniger Versicherte aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln als umgekehrt. Die Ursachen liegen nach Ansicht von Experten vor allem in der guten Lage am Arbeitsmarkt sowie in den erhöhten Zugangshürden zur privaten Vollversicherung.

Als einen „Paradigmenwechsel in der Krankenversicherung“ wird momentan die hohe Fluktuation zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung charakterisiert. Ihre Erkenntnis stützen die Experten der Versicherungsforen Leipzig auf Statistiken des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) und des PKV-Rechenschaftsberichts. Demnach fanden Wechsel bis zum Jahr 2013 vor allem von der GKV zur PKV statt. Während sich im Jahr 2002 noch 362.000 Menschen für den Überlauf in die private Krankenversicherung entschieden, waren es im Jahr 2014 nur 116.000. Der Wechsel vom privaten zum gesetzlichen Schutz hat hingegen im 14-Jahres-Trend leicht zugenommen.

Anteil der gesetzlich Versicherten gestiegen

Als einen wichtigen Grund für den Zulauf zur gesetzlichen Krankenkasse vermutet der PKV-Verband einen Sondereffekt, der von Änderungen innerhalb der privaten Krankenversicherung unabhängig ist: die aktuell gute Arbeitsmarktlage. Die Zunahme von Beschäftigungsverhältnissen führt dazu, dass immer mehr Menschen gesetzlich versicherungspflichtig werden. Die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitnehmer stieg von 2013 auf 2014 um 424.000 Personen, der Anteil der Selbstständigen sank hingegen um 52.000 Personen.

 

Zugangsvoraussetzungen zur PKV haben sich verschärft

Weiterhin nehmen Experten an, dass der zunehmende Wechsel von der PKV zur GKV durch die strengeren Zugangsvoraussetzungen zum privaten Schutz bedingt ist. Abhängig von der Lohnentwicklung kann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Einkommensgrenze erhöhen. Während diese 2014 noch 53.550 Euro betrug, wurde sie für 2015 auf 54.900 Euro angehoben. Nur Arbeitnehmer, die über diesem Satz verdienen, können sich privat krankenversichern. Versicherte, die zuvor nur knapp darüber lagen oder durch einen Stellenwechsel plötzlich weniger verdienten, mussten sich in der Folge gesetzlich versichern. Ein weiterer Grund für den Paradigmenwechsel liegt ebenfalls auf der Anbieterseite: Viele Versicherungsgesellschaften haben bewusst ihre Einsteigertarife aus dem Angebot genommen. Damit existieren weniger günstige Tarife, sodass der Neuzugang an Kunden ausbleibt.

 

Alternativen PKV-Anbieter in Erwägung ziehen

Den abnehmenden Strom zur privaten Krankenversicherung erklärt der GKV-Spitzenverband damit, dass PKV-Kunden eine Verschlechterung der Leistungen sowie eine Erhöhung der Prämien wahrnehmen. Da die Leistungen der privaten Krankenversicherung jedoch immer noch weitaus umfangreicher sind als die der gesetzlichen Krankenkasse, sollten sich Verbraucher von solchen Beobachtungen nicht verunsichern lassen. Stattdessen bietet sich für Privatversicherte oftmals der Wechsel in einen anderen Tarif oder zu einem Versicherer mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis an. Da jeder Wechsel gut überlegt sein sollte, wird Versicherten empfohlen, sich über Tarifvergleiche oder persönliche Beratungen zunächst genauestens zu informieren.