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E-Health: Neue Technologien bieten enorme Vorteile für Patienten

22.11.2017 | Autor: Cora Christine Döhn

Prof. Dr. Kerstin Bilda

Prof. Dr. Kerstin Bilda

Patienten können heutzutage von neuen Technologien im Gesundheitsbereich profitieren. Für deren Entwicklung sind Forschungseinrichtungen wie die der Hochschule für Gesundheit verantwortlich. Die klinische Linguistin und Logopädin Prof. Dr. Kerstin Bilda arbeitet etwa an E-Health-Konzepten, um den Genesungsprozess von Patienten zu beschleunigen. Welche Angebote es bereits gibt, und woran die Gesundheitsexpertin aktuell forscht, erzählt sie im Interview.

Im Forschungsschwerpunkt Gesundheit und Technologie spielen sogenannte E-Health-Konzepte eine zentrale Rolle. Dazu zählen Telemedizindienste genauso wie Diabetes-Apps und Fitnesstracker. An was arbeiten Sie derzeit?

Prof. Dr. Kerstin Bilda: Als klinische Linguistin und Logopädin interessieren mich insbesondere digitale Lösungen für Menschen mit eingeschränkten Hör- und Kommunikationsfähigkeiten. Seit vielen Jahren widme ich mich deshalb in meiner Forschung der Entwicklung und Evaluation digitaler Trainingsangebote für spezifische Zielgruppen.

In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsvorhaben entwickeln wir beispielsweise ein digitales Assistenzsystem für Patient*innen mit Parkinsonerkrankungen. Mit dieser Technik können Parkinsonerkrankte über eine Spracherkennung individuelles Feedback zu ihrer Sprechverständlichkeit erhalten, was eine hilfreiche Unterstützung für sie ist.

In einem anderen Forschungsprojekt haben wir eine App für Patient*innen entwickelt, die infolge eines Schlaganfalls unter einer oft sehr langwierigen Sprachstörung, einer sogenannten Aphasie, leiden. Anhand von kurzen Videosequenzen können diese Patient*innen selbstständig alltägliche kommunikative Situationen üben. Als drittes Beispiel entwickeln wir aktuell im Projekt „Train2Hear“ im Verbund mit der HNO-Klinik Bochum ein adaptives teletherapeutisches Hörtraining mit digitalen Trainingsmodulen für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen.

Alle neuen digitalen Lösungen zielen darauf ab, ein theoretisch abgesichertes Eigentraining als Ergänzung zur Einzeltherapie anzubieten.


Eines Ihrer Kernziele ist es, die Gesundheitsversorgung durch E-Health-Konzepte zu verbessern. Wo steht Deutschland derzeit bei dieser Herausforderung im internationalen Vergleich?

Prof. Dr. Kerstin Bilda: Die Zahl der Gesundheits-Apps und digitalen Therapie-und Trainingsangebote wächst stetig. Allerdings ist die Relevanz dieser digitalen Angebote aus medizinischer und gesundheitswissenschaftlicher Sicht kritisch zu betrachten. Auf der einen Seite gelingt es dem deutschen Gesundheitssystem nicht, aus der Fülle der digitalen Anwendungen systematisch diejenigen zu identifizieren und zu nutzen, die echte Potentiale für Qualität und Effizienz haben.

Auf der anderen Seite beklagen Start-Ups, dass ihnen der Zugang in das Gesundheitssystem versperrt sei. Deshalb entscheiden sich viele Gründer für Anwendungen, die sich direkt an zumeist gesunde Verbraucher richten oder sie fokussieren sich auf ausländische Märkte.

Dieser Trend ist sicher der Grund dafür, dass digitale Anwendungen für Menschen mit Risikofaktoren und chronischen Erkrankungen bislang stark unterrepräsentiert sind. Der Transfer von digitalen Anwendungen in den Versorgungsalltag ist derzeit häufig noch abhängig vom Engagement einzelner Pioniere aufseiten der Kostenträger sowie den Aktivitäten und der Systemkenntnis des jeweiligen Start-Ups. Notwendig sind Studien zum Nutzen von Gesundheits-Apps für die gesundheitliche Versorgung, um eine qualitätsgesicherte Integration digitaler Anwendungen in den Versorgungsalltag zu gewährleisten.


Ein Teil Ihres Forschungsbereichs beschäftigt sich damit, die Akzeptanz gegenüber E-Health-Angeboten unter Patient*innen zu fördern. In welchen Bereichen haben Nutzer*innen Probleme und was sind Ihre drei zentralen Argumente für E-Health?

Prof. Dr. Kerstin Bilda: Der unstrittige Vorteil von E-Health liegt darin, dass eine Diagnostik und Therapie in einer vertrauten Umgebung des Kindes oder Erwachsenen angeboten werden kann. Als Umgebung zählen das eigene Zuhause, Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz und Pflegeeinrichtung. Gesichert ist, dass Therapien nur dann wirksam sind, wenn sie intensiv und individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Patient*innen ausgerichtet sind. Digitale Lösungen haben das große Potential, ein intensives und selbstständiges Training zu Hause unter Anleitung einer Fachkraft anzubieten.

Gesundheits-Apps, die mit mobilen Geräten wie Smartphones vernetzt sind, bieten direkte und unauffällige Unterstützung und Hilfe im Alltag. Beispielsweise können Patient*innen mit Stimm- und Sprechstörungen über das Smartphone individuell ihr Sprechtempo, ihre Sprechhöhe und ihre Sprechverständlichkeit überprüfen und sich somit in ihrer Verständlichkeit stetig verbessern.

Dadurch wird die Eigenwahrnehmung geschult und der Transfer der Übungen in Therapiesituation auf den kommunikativen Alltag des Patient*innen vereinfacht. Tragbare digitale Medienplayer, mit denen Patient*innen eigenständig zu Hause anhand von Lernvideos üben können, führen zu einer erhöhten Motivation, Therapietreue und einem besseren Selbstmanagement der Patient*innen.

Aufgrund des demografischen Wandels sind insbesondere in der neurologischen Rehabilitation neue Versorgungsmodelle gefragt, die Patient*innen unter therapeutischer Anleitung ein Sprachtraining und/oder ein Mobilitätstraining über einen möglichst langen Zeitraum ermöglichen. Für diese Zielgruppe stellen digitale Trainingsverfahren ein wirtschaftliches und qualitätsgesichertes Angebot dar.

Darüber hinaus können digitale Plattformen über eine Vernetzung von Kliniken, ambulanten Gesundheitsdienstleistungen und Patient*innen zu einer qualitätsgesicherten integrierten Versorgung maßgeblich beitragen.