Welche Alternativen gibt es für ein Pflegeheim im Alter?

11.12.2017 | Autor: Cora Christine Döhn

Viele ältere Menschen fürchten sich vor einem Leben im Pflegeheim. Deshalb möchten zahlreiche Senioren lieber in ihrer Wohnung oder bei ihrer Familie bleiben, wenn sie pflegebedürftig werden. Jörg Veil von Home Instead und Kaspar Pfister von BeneVit sprechen im Interview über verschiedene Möglichkeiten, wie sich dieser Wunsch finanziell erfüllen lässt.

Wenn Senioren nicht mehr allein für sich sorgen können, stehen sie und ihre Familien vor der Frage, wie sie langfristig versorgt werden können. Da es der Wunsch vieler Pflegebedürftiger ist, in ihrem vertrauten Umfeld oder bei ihren Angehörigen zu bleiben, hat krankenversicherung.net mit Jörg Veil von Home Instead und Kaspar Pfister von BeneVit über Alternativen zum Pflegeheim gesprochen. Sie erklären, welche Art der Pflege Senioren häufig benötigen und welche Möglichkeiten es gibt, die Angehörigen dabei zu entlasten.

Herr Veil, Home Instead bietet ambulante Pflegeleistungen zu Hause an, um pflegende Angehörige zu entlasten. Welche Leistungen sind besonders gefragt?

Jörg Veil: Genauer gesagt sind wir die Vorstufe zur ambulanten Pflege. Das heißt, wir übernehmen Betreuungs- und Hauswirtschaftsleistungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Besonders gefragt sind neben der Betreuung der Pflegebedürftigen auch Haushaltshilfen wie Einkaufen, Reinigen und Wäsche waschen.
Bei Vorlage eines Pflegegrades können die Pflegesachleistungen auch für diese Leistungen eingesetzt werden. Sie werden dann – je nach Pflegegrad – in bestimmter Höhe von der Pflegeversicherung übernommen.

Wie viel Geld müssen Pflegebedürftige oder deren Angehörige zur Verfügung stellen, um Ihre Leistungen in Anspruch nehmen zu können?

Jörg Veil: Das kommt ganz auf den Pflegegrad der pflegebedürftigen Person an. Je nachdem, wie hoch der Pflegebedürftige eingestuft ist, stehen ihm unterschiedliche Pflegegeld- oder Sachleistungen zur Verfügung. Die Sachleistungen, zu denen beispielsweise unser Aufgabengebiet gehört, sind dabei mehr als doppelt so hoch wie das Pflegegeld. Für Familien, die einen Angehörigen bei sich zu Hause pflegen, kann es demnach finanziell sinnvoll sein, die Sachleistungen den Geldzahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung vorzuziehen.

Im Durchschnitt benötigen unsere Klienten fünf Betreuungsstunden pro Woche von uns. Das sind rund 500 Euro pro Monat. Den Teil der Kosten, den die gesetzliche Pflegeversicherung nicht zahlt, leisten die Pflegebedürftigen oder deren Familien eigenständig.

Herr Pfister, Sie bieten betreutes Wohnen für ältere Menschen an. Wann entscheiden sich Senioren bei Ihnen zu wohnen, und wie viel kostet ein Platz in einer Ihrer Wohnungen?

Kaspar Pfister: Zu uns kommen Menschen, die in ihrer Wohnung nicht bleiben können. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. Manche Senioren können sich nicht mehr selbst versorgen oder haben aber keine Angehörigen, die ihnen helfen. Andere brauchen barrierefreie Zugänge in ihrer Wohnung, die fehlen. Wer bei uns wohnen möchte, muss ungefähr mit einem Eigenanteil von circa 1.600 bis 2.000 Euro pro Monat rechnen.

Wie unterscheidet sich das betreute Wohnen von einem klassischen Pflegeheim?

Kaspar Pfister: Das Klientel ist eigentlich das gleiche, das auch in ein Pflegeheim geht. Der Unterschied zwischen unserem Hausgemeinschaftskonzept und einem gewöhnlichen Pflegeheim ist jedoch die Art des Zusammenlebens. Senioren leben hier einen ganz gewöhnlichen Alltag und bekommen dabei die Unterstützungsleistungen, die sie benötigen. Wir haben zum Beispiel im Frühdienst jeweils einen Mitarbeiter, der für vier bis fünf Bewohner zuständig ist. Das ist in einem gewöhnlichen Pflegeheim, wo pro Pflegebedürftigen ein zeitlich bestimmtes Pflegekontingent besteht, undenkbar.

Vielen Dank für das Interview Herr Veil und Herr Pfister.