E-Health: Wie digital sind die gesetzlichen Krankenkassen?

E-Health: Wie gut sind die digitale Leistungen der Krankenkassen?

E-Health ist längst ein etabliertes Thema im Gesundheitsbereich. Der auch Digital Health genannte Begriff beschreibt den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen. Hierbei geht es um die Vernetzung von Produkten, Akteuren und Services, die in irgendeiner Form mit Gesundheit zusammenhängen. Da die digitale Kommunikation aufgrund der Corona-Pandemie einen neuen Stellenwert erhalten hat, haben wir für Sie geprüft, wie digital unsere Krankenkassen sind und ob das digitale Angebot der Kassen auch genutzt wird. 

Umfrage

Wieviele Menschen nutzen das Sportangebot ihrer Krankenkasse?

In unserer Umfrage mit 1.094 Bundesbürgern haben wir ermittelt, wie bekannt das digitale Angebot der Krankenkassen ist und ob es auch genutzt wird. Hier haben wir zwischen dem klassischen Angebot für Sport und Mental-Health und speziell dem digitalen Angebot für Sport und E-Mental-Health unterschieden.

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  • Bekanntheit

    Die meisten Befragten (57 Prozent) kennen die geförderten Angebote ihrer Krankenkasse nicht. Unter den übrigen 43 Prozent haben sich 19,2 Prozent die Infos eigenständig auf der Homepage Ihrer Krankenkasse besorgt. 11,6 Prozent wurden von Ihrer Krankenkasse durch einen Brief informiert, 7,1 Prozent erhielten eine E-Mail. Rund 5 Prozent haben durch Freunde, Bekannte oder deren Ärzte von der Förderung erfahren.

  • Nutzung

    Aufgrund des niedrigen Bekanntheitsgrades des geförderten Angebotes ist es keine Überraschung, dass auch die Nutzung nur sehr verhalten geschieht. 18,8 Prozent lassen sich ihren klassischen Sport oder Sportkurs bezuschussen. Geförderte Kurse für Mental-Health werden nur von 3,6 Prozent genutzt. Geförderte digitale Sportkurse werden nur von 3,3 Prozent genutzt und E-Mental-Health Angebote werden sogar nur von 1,7 Prozent wahrgenommen. 73,1 Prozent der Befragten nutzen keines der Angebote.

  • Veränderung durch Corona

    Durch die Corona-Pandemie ist es seit März nur sehr eingeschränkt möglich, sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Darum hat sich vieles auf digitale Kanäle umgestellt. Das geförderte Angebot der Kassen ist aber nahezu unverändert. Nur 1,5 Prozent der Befragten gaben an, dass sie durch den Lockdown bedingt auf das geförderte, digitale Angebot zurückgreifen. 

Werden die Apps der Krankenkassen genutzt?

Das Smartphone hat sich schon längst als unser täglicher Begleiter etabliert. Apps werden vielfältig zum Shoppen oder fürs Online-Banking eingesetzt. Die Nutzung von Apps zur Kommunikation mit der eigenen Krankenkasse hat sich jedoch noch nicht im gleichen Maße durchgesetzt. In unserem Test bieten 12 der 15 mitgliederstärksten Krankenkassen eine eigene App an. Laut unserer Umfrage wird diese aber nur von 17,6 Prozent der Befragten genutzt. Mehr als die Hälfte kennt die App ihrer Krankenkasse gar nicht. 

Nutzung der Krankenkassen Apps

Fazit

Das Angebot der Krankenkassen ist anders, als die Nachfrage der Mitglieder, bereits gut in der Digitalisierung angekommen. Der Hauptgrund für die verhaltene Nutzung der geförderten Kurse und Aktivitäten sind mangelnde Kenntnisse darüber. Nur 20 Prozent der Befragten wurden durch ihre Krankenkasse auf das Angebot aufmerksam gemacht. Genau so viele Teilnehmer (20 Prozent) haben sich selbst über die Angebote informiert. Den übrigen Befragten sind die Angebote nicht bekannt. Jeder Zweite, der das Angebot kennt, nutzt es jedoch. Das zeigt, dass die Krankenkassen hier noch Informationsarbeit zu leisten haben. 

Wie groß das Angebot der verschiedenen Kassen tatsächlich ist, erfahren Sie im Vergleich der 15 größten deutschen Krankenkassen.   

Übersicht

Wie gut ist das E-Health-Angebot der Krankenkassen?

Aufgrund der aktuellen Situation bedingt durch das Coronavirus können viele Sport- und Gruppenveranstaltungen nicht stattfinden. Fitnessstudios können nur unter strengen Auflagen besucht werden und viele Präventionskurse für Fitness und mentale Gesundheit mussten unterbrochen oder (soweit möglich) online fortgeführt werden. 

Aus diesem Grund haben wir die mitgliederstärksten Krankenkassen in Deutschland im Bezug auf Digitalisierung und insbesondere digitale Fitness und E-Mental-Health (digitale mentale Gesundheit) geprüft. Sehr positiv zu bewerten ist, dass alle Kassen Ihre Mitglieder auch im digitalen Bereich unterstützen. Außerdem verfügen alle über ein Bonussystem, in dem auch die Teilnahme an online Kursen belohnt wird. Details können Sie der folgenden Übersicht entnehmen.

Das E-Health Angebot der Krankenkassen

Mehr Details zum digitalen Angebot der Krankenkassen

Die VIACTIV bezeichnet sich als Deutschlands sportliche Krankenkasse und schneidet im Ranking auch als beste Kasse im Bezug auf digitale Gesundheit ab. Die VIACTIV-App enthält alle wichtigen Funktionen und die Mitglieder können auf drei kostenlose Apps für Ihre mentale Gesundheit zugreifen. Neben kostenlosen Online Kursen für Bewegung, Fitness und mentale Gesundheit, werden 2 zusätzliche Präventionskurse mit bis zu 550 € im Jahr bezuschusst. Das gilt für offline und online Angebote gleichermaßen und ist mit Abstand der höchste Zuschuss im Vergleich. Die VIACTIV erhält so in allen kategorien die Volle Punktzahl.   

VIACTIV App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Servicenummern
  • Krankmeldung

Gratis zusatz Apps

  • Antistress-App OTEMI (Mental)
  • 7Mind Meditations-App (Mental)
  • Selfapy (Mental)

Bewegung & Fitness

  • Fit & Aktiv von Fitbase
  • Rücken fit & gesund von Gymondo
  • Präventives Faszientraining
  • Fit & Aktiv, Ganzkörpertraining von Bodychange
  • Lauf dich fit! von FitTracks
  • Fit in 10 Wochen

Psychische Gesundheit

  • Stresscoach
  • Online-Coach „Fit im Job“
  • GET.ON Stimmung
  • Erfolgreiches Stress­management und Burnout­prävention
  • Progressive Muskel­entspannung
  • Autogenes Training

Die BARMER Krankenkasse ist digital sehr gut aufgestellt und bietet eine große Auswahl an regionalen offline Kursen, die auch bezuschusst werden. Die BARMER-App beinhaltet alle wichtigen Funktionen zur Verwaltung der eigenen Daten und Unterlagen. Außerdem können einfache Prozesse wie das Einreichen einer Krankmeldung direkt abgewickelt werden. Für weitere Leistungen wie das Bonusprogramm oder den Teledoktor gibt es separate Apps. Zusätzlich werden drei Apps für Fitness und zwei weitere für mentale Gesundheit angeboten. Die Förderung für Präventionsmaßnahmen liegt mit 80 € für zwei Kurse im Jahr eher im unteren Mittelfeld. Dies gleicht die BARMER allerdings wieder mit  eigenen komplett kostenlosen Kursen für die Mitglieder in allen wichtigen Kategorien aus.  

BARMER App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Auslandsreisen
  • Krankmeldung

Gratis zusatz Apps

  • Kaia Rücken-App (Fitness)
  • Kniekontrolle (Fitness)
  • 7Mind Meditations-App (Mental)
  • BARMER Schlafenszeit (Mental)

Bewegung & Fitness

  • ArmAktiv zur Mausarm Prävention
  • Fit & Aktiv
  • Rückenschule
  • Wirbelsäulen­gymnastik
  • Online-Yoga

Psychische Gesundheit

  • Hatha-Yoga
  • Achtsamkeits­training
  • GET.ON Fit im Stress
  • GET.ON Stimmung

Das Angebot für digitale Fitness und Gesundheit der AOK ist groß und abwechslungsreich. Die “Meine AOK” App verfügt über die wichtigsten Funktionen um den Mitgliedern den Kontakt mit der Kasse zu erleichtern. Auch das zusätzliche App Angebot und vor allem die kostenlose Mitgliedschaft im Online Fitnessclub "Cyberfitness" bietet viele verschiedene Möglichkeiten sich digital fit zu halten. Im Bereich E-Mental-Health ist das Angebot allerdings noch etwas ausbaufähig. Dagegen ist das Budget für zuschüsse mit maximal 170 € jährlich gut und liegt im Vergleich im Oberen mittelfeld.

Meine AOK App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Gesundheitsmanager
  • Krankmeldung

Gratis zusatz Apps

  • AOK Relax
  • AOK Gesundheitskompetenz

Bewegung & Fitness

  • Online Fitnessclub "Cyberfitness"
  • Yoga für Einsteiger
  • Rückencoaching
  • Erfolgreich Abnehmen
  • Weitere Onlinekurse von "Cyberfitness"

Die DAK-Gesundheit verfügt über ein gutes digitales Angebot und bietet dazu eine Vielzahl an regionalen offline Kursen, die bezuschusst werden. Die DAK-App beinhaltet die wichtigsten Funktionen zur Verwaltung der persönlichen Daten. Neben Gesundheits-News und einer Chatfunktion können Mitglieder das Bonusprogramm über die App verwalten. Zusätzlich werden zwei Gratis-Apps für mentale Gesundheit und Beckenbodenübungen zur Verfügung gestellt. Außerdem können DAK-Versicherte aus jeweils zwei kostenlosen Kursen zu Fitness und mentaler Gesundheit wählen. Die Krankenkasse bezuschusst Zwei zusätzliche Kurse pro Jahr mit bis zu 75 € je Kurs. Das gilt für offline und online Angebote gleichermaßen. 

DAK App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Chat
  • Elektronische Gesundheitsakte Vivy
  • Bonusprogramm

Gratis zusatz Apps

  • DAK Smart4me Entdecke deine Power (Mental)
  • Beckenboden-App pelvina

Bewegung & Fitness

  • Fitness-Coaching
  • Rücken@Fit

Psychische Gesundheit

  • Antistress-Coach
  • Kopfschmerz-Coach
  • Relax@Fit

Die mhplus ist in Sachen digitale Fitness und E-Mental-Health sehr gut aufgestellt. Mit Gymondo und fitbase haben die Mitglieder eine Große Auswahl an digitalen Fitness Programmen und auch im Bereich E-Mental-Health ist für jedes Bedürfnis etwas dabei. Mit dem Gehirntraining setzte sich die mhplus von anderen Kassen ab. Dieses Angebot was bei keiner anderen kasse zu finden. Die mhplus-App verfügt auch über alle wichtigen Funktionen. Mit dem Chatbot Emmi bietet die App zusätzlich einen sehr fortschrittlichen Kommunikationsweg. Allerdings sind die Zuschüsse für Präventionskurse mit 80% der Kosten für 2 Kurse und maximal 70 € je Kurs am niedrigsten im Test. 

mhplus-App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Chat
  • Krankmeldung
  • Chatbot Emmi

Gratis zusatz Apps

  • mhplus Move
  • Beckenboden-App pelvina

Bewegung & Fitness

  • Gymondo
  • fitbase
  • Fit und Aktiv
  • Lauf-Coach

Psychische Gesundheit

  • Stress­bewältigung mit Schlaf­coaching
  • Online-Stressfrei-Coach
  • Stark und Positiv-Coach
  • Fit im Job-Coach
  • Fit im Kopf (Gehirntraining)

In der App der Techniker (TK) können die Mitglieder neben den klassischen funktionen und dem Bonusprogramm direkt auf ein Fitnessprogramm zugreifen. So muss keine Separate App Heruntergeladen werden. Der Coach in der App bietet neben Kursen für Pilates, Rücken und Yoga auch Antistress Coaching an. Natürlich können die Mitglieder auch ohne die App über die Website zu den Coachings gelangen. Neben der App, werden 2 weitere Präventionskurse mit insgesamt 150 € jährlich gefördert.

TK-App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Bonusprogramm
  • Fitnessprogramm

Bewegung & Fitness

  • TK-Antis­t­ress­Coa­ching

Psychische Gesundheit

  • TK-Fitness­Coa­ching (Pilates, Rücken und Yoga)

Für Mitglieder der BAHN-BKK werden keine kostenfreien Apps oder Kurse angeboten. Allerdings werden hier 2 Kurse im Jahr mit bis zu 300 € gefördert. Das ist das zweit­größ­te Budget im Test. Die BAHN-BKK App enthält die wichtigsten Funktionen zur Verwaltung der persönlichen Daten und Abwicklung der üblichen Vorgänge wie Krankmeldungen einreichen oder Anträge stellen. 

BAHN-BKK App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Krankmeldung

Die Kaufmännische Krankenkasse - KKH bietet Ihren Mitglieder Online Coaches für alle Bedürfnisse im Bereich Fitness und mentale Gesundheit und reagiert mit dem täglichen Home Office Workout vorbildlich auf die aktuelle Situation. Die KKH-App bietet allerdings nur die absoluten Basic Funktionen und die Förderung von 2 Präventionskursen mit insgesamt maximal 160 € im Jahr ist im Vergleich eher unterer Durchschnitt.

KKH-App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Notfallnummern
  • Postfach
  • Auslandsreisen

Bewegung & Fitness

  • KKH Online-BewegungsCoach
  • KKH Online-RückenCoach
  • Home Office Workout

Psychische Gesundheit

  • KKH Online-Stress- & SchlafCoach
  • Musik & Hörbücher gegen Stress und zum Entspannen

Das Angebot der IKK classic für digitale Fitness und E-Mental-Health ist überschaubar. Zur reduktion von Stress und zur Behandlung von Tinnitus werden Apps angeboten, aber weitere kostenfreie Kurse gibt es nicht. Allerdings liegt der Zuschuss für 2 Präventionskurse insgesamt maximal 180 € jährlich im oberen mittelfeld. Die IKK classic App bietet:

IKK classic App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge einreichen
  • Einreichen Belege
  • Kontaktformular
  • Bonusprogramm
  • Kontaktformular
  • Online-Gesundheitsangebote

Gratis zusatz Apps

  • Stress-App Kenkou
  • Tinnitracks

Die BKK Mobil Oil bietet neben der eigenen App “Mobil Me” eine zusätzliche App für Beckenbodenübungen. Ansonsten werden keine weiteren kostenlosen Kurse zur verfügung gestellt. Allerdings ist der Zuschuss für 2 Präventionskurse im jahr mit insgesamt maximal 200 € der drittgrößte Zuschuss im Test und gleicht somit das etwas schmale Angebot ein wenig aus. Die App bietet soweit alle wichtigen Funktionen, aber auch hier ist das Angebot ausbaufähig.

Mobil Me App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge einreichen
  • Einreichen Belege

Gratis zusatz Apps

  • Beckenboden-App pelvina

Die Knappschaft verfügt über keine eigene App, aber die Daten lassen sich Online auf der Homepage verwalten. Hier können Sich mitglieder ein Konto erstellen. Zusätzliche Apps oder Kurse werden nicht angeboten. Der Zuschuss für 2 Kurse mit je 80 € maximal ist im test nur unterer Durchschnitt.

Die Audi BKK verfügt über keine eigene App. Die Mitglieder können allerdings Ihre Abwicklung über die Vivy-App abwickeln. Diese enthält die wichtigsten Funktionen zur Verwaltung der persönlichen Daten und kleine extras wie einen digitalen Impfpass. 

Das digitale Angebot für Fitness und mentale Gesundheit beschränkt sich auf den Zuschuss von 2 Kursen die zu 95 % aber maximal 90 € je Kurs bezuschusst werden.

Die “Meine SBK” App verfügt über die wichtigen Funktionen zur Verwaltung der eigenen Daten und Abwicklung der Kommunikation. Zusätzlich können mitglieder über die App am Bonusprogramm teilnehmen. Zusätzliche Apps oder Online Kurse gibt es nicht. Es werden lediglich 2 Kurse im jahr mit 75% aber maximal 80 € je Kurs bezuschusst.

Meine SBK App

  • Verwaltung persönlicher Daten
  • Online-Postfach
  • Anträge stellen
  • Einreichen Belege
  • Bonusprogramm
  • Krankmeldung

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) legt mit Ihrer spezialisierung auf Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau die Schwerpunkte für Prävention auf ein Offline Angebot. Es werden keine Apps oder Online Kurse angeboten. Aber auch hier werden 2 Kurse der Zentralen Prüfstelle Prävention bezuschusst. die Mitglieder erhalten 80% der Kosten für 2 Kurse im jahr erstattet. 

Alle Informationen und Auswertungen im Krankenkassenvergleich basieren auf Recherchen unserer Redakteure, ohne Einfluss von Externen Gesellschaften oder Experten.

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Was vermissen Sie in der aktuellen Zeit am meisten?

Ich vermisse das Sporttreiben in der Gruppe und die vielen Gespräche vorher und danach mit meinen Freunden. Auch fehlt es mir, spannende Wettbewerbe des Sports mit all seinen Facetten live zu erleben. Vor Ort im Stadion oder an den Wettkampfstätten zu sein, ist für mich durch nichts zu ersetzen.

Warum ist es besonders jetzt wichtig, sich körperlich fit zu halten?

Durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen hat sich unser Bewegungsverhalten stark verändert. Viele Wege, wie etwa der zur Arbeit, entfallen und wir verbringen einen Großteil unserer Zeit zu Hause. Diesem Defizit an alltäglicher Bewegung gilt es entgegenzuwirken. Schließlich hat körperliche Aktivität nicht nur positive Auswirkungen auf unsere Fitness, sondern auch auf unser Stresserleben und unsere Abwehrkräfte. Besonders jetzt ist ein starkes Immunsystem wichtig, damit Krankheitserreger kein allzu leichtes Spiel haben.

Sport ist seit mehreren Wochen weitestgehend nicht möglich, welche Risiken bringt diese Einschränkung durch die Corona-Situation mit sich?

Das Sporttreiben unter anderem im Verein und Fitnessstudio war nicht möglich, das stimmt. Aber in Bewegung zu sein, war – zum Glück – die ganze Zeit über möglich, nur eben anders. Wenn feste Routinen wegfallen, besteht immer das Risiko des „Schleifenlassens“. Wer weiterhin fit bleiben will, braucht deshalb sinnvolle Alternativen, die ja auch eine schöne Abwechslung zu „alten Trampelpfaden“ sein und den Muskeln neue Reize bieten können! Andernfalls kommt es zu Leistungseinbußen: So verliert beispielsweise die Muskulatur an Kraft, Sehnen und Bänder an Elastizität und unser Herz-Kreislauf-System an Ausdauer. Die Einschränkungen treffen gerade Mannschaftssportarten besonders hart, denn technisch-taktische Elemente können aktuell nicht trainiert werden.

Was ist Ihr wichtigster Tipp, um sich zu Hause fit zu halten?

Gerade in diesen unsteten Zeiten ist Rhythmus das Allerwichtigste. Das gilt auch für den Sport: Nur wer regelmäßig aktiv ist, profitiert von positiven Effekten für die eigene Fitness. Dabei hilft es sich schon am Vortag zu überlegen, wie der kommende Tag aussehen soll. Neben Aufgaben und Erledigungen gehört auch die Sporteinheit als fester Termin in die Planung. Auch das Gestalten eines Wochenplans kann mehr Struktur und damit Effektivität und Wohlbefinden in Ihren Alltag bringen.

Wie beeinflusst die körperliche Fitness unser Immunsystem?

Zahlreiche Studien zeigen, dass Sport unser Immunsystem stärken kann. Insbesondere moderater Ausdauersport verbessert die Funktion unserer Abwehrzellen. Die genauen Wirkmechanismen sind sehr komplex. Jedoch wissen wir, dass regelmäßiges Training unter anderem die Anzahl und Effizienz unserer natürlichen Killerzellen erhöhen kann, deren Aufgabe in der Erkennung und Abtötung entarteter Zellen liegt. Förderlich für unser Immunsystem ist auch die entspannende und stressreduzierende Wirkung von Sport und Bewegung, insbesondere an der frischen Luft. Denn auf Dauer schwächt Stress unsere Immunabwehr und erhöht damit unsere Infektanfälligkeit.

Viele Krankenkassen fördern Angebote zu digitaler Fitness. Wie sinnvoll sind diese Angebote?

Gerade jetzt sind sie meiner Meinung nach ein Segen. Oft ist der Wille die eigene Fitness zu steigern zwar da, es fehlt aber an Umsetzungsideen oder Motivation. Online-Fitness-Programme oder Apps setzen genau an dieser Stelle an und bieten Angebote für jedes Fitnesslevel an. Auch Fitness-Tracker und Wearables können hilfreiche Begleiter sein. So kann das Aufzeichnen verschiedener Körperwerte, wie der Herzfrequenz oder dem Kalorienverbrauch, bei der Zielkontrolle helfen und als Motivationshilfe dienen.

Welche Art der digitalen Fitness bevorzugen Sie?

Wenn ich laufe, dann ziehe ich ab und zu – aber recht selten – ein Tool heran, um meine Leistung exakter zu bestimmen oder zu messen. Ich nutze dann eine Uhr, die viele Leistungsparameter aufzeichnet. Diese kann ich dann für mich interpretieren, um Schlüsse auf meinen Trainingszustand zu ziehen. Außerdem suche ich mir in den dunklen Wintermonaten manchmal digitale Strecken für mein Rennrad zu Hause auf der Rolle heraus, um die Zeit auf dem Rad ein wenig unterhaltsamer zu gestalten. So ein „digitaler“ Berg ist aber dann doch nicht mit einem richtigen Anstieg, der passenden Aussicht und den Witterungen draußen zu vergleichen.

Wie halten Sie sich in der aktuellen Zeit fit?

Ich fahre leidenschaftlich gerne Rennrad – das funktioniert in diesen Zeiten zum Glück wunderbar. Nach wie vor gehört auch Joggen und Krafttraining zu meiner Sportroutine. Auch in den eigenen vier Wänden lassen sich die meisten Übungen, die man aus dem Fitnessstudio kennt, mit ein bisschen Kreativität gut umsetzen.

Prof. Dr. Ingo Froböse

Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse

Leitet an der Deutschen Sport­hochschule Köln das Institut für Bewegungs­therapie und bewegungs­orientierte Prävention und Reha­bilitation.

Was macht es mit den Menschen, so lange alleine zu sein?

Einsamkeit hat negative gesundheitliche Folgen und kann sogar mit einer verkürzten Lebenszeit einhergehen. Aber nicht immer bedeutet Alleinsein auch, sich einsam zu fühlen. Einsamkeit ist das, was wir subjektiv empfinden: der Mangel an sozialen Kontakten, an emotionalen Bindungen. Viele Menschen nutzen die modernen Möglichkeiten internetbasierter Kommunikation sehr erfolgreich, um miteinander in Verbindung zu bleiben und sich nicht einsam zu fühlen. Eine Ausnahme bilden allerdings Menschen in Heimen oder sozial benachteiligte Menschen, sie profitieren in der Regel nicht von solchen technischen Möglichkeiten

Welche Gefahren sehen Sie in der aktuellen Situation der Isolation durch Corona?

Quarantänemaßnahmen, vor allem wenn sie lange anhalten und mit Einkommensverlusten einhergehen, können zu Depressivität, Ängstlichkeit, Wut, Stress, posttraumatischer Belastung, Einsamkeit und Stigmatisierung führen. Die psychosoziale Gesundheit kann also in der aktuellen Situation massiv gefährdet sein.

Bei Patienten mit psychischen Vorerkrankungen muss man davon ausgehen, dass sie anhaltende Ausnahmezustände – wie gegenwärtig die Ausgangsbeschränkungen – intensiver empfinden als andere und infolgedessen Symptomverschlechterungen erleben. Dies könnte zu einer globalen Zunahme von Anpassungsproblemen und Ängsten in der Bevölkerung führen, was die Anforderungen an psychosoziale Dienste weiter erhöhen würde. Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit spielen deshalb in diesen Zeiten eine große Rolle.

Was ist der wichtigste Tipp zur Stressbewältigung von zu Hause?

Um das seelische Gleichgewicht nicht zu gefährden, sollte man jetzt auch besonders darauf achten, den Alltag mit Aktivitäten und Gewohnheiten auszugestalten, die zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden beitragen können: Gönnen Sie sich zum Beispiel gesunde Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Bewegung (falls draußen nicht möglich zum Beispiel Gymnastikübungen in der Wohnung) und Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen und Ihnen guttun

Es ist unklar, wann sich die Situation normalisiert und es fehlen Ziele, auf die man hinarbeitet. Was ist der beste Tipp, um trotzdem motiviert zu bleiben?

Positiv denken! Das klingt erstmal nach einem abgegriffenen Ratschlag. Jeder wird in der derzeitigen Situation Gefühle von Überforderung, Stress und Sorgen kennen, das sind ganz normale Reaktionen. Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht sollte man diese Gefühle anerkennen und sich selbst zugestehen. Gleichzeitig kann man sich aber aktiv vornehmen, sich nicht zu sehr in negative Gefühle hineinzusteigern. Konzentrieren Sie sich stattdessen besonders auf Gedanken, Erlebnisse und Aktivitäten, die positive Gefühle auslösen. Das können ganz einfache Alltagsdinge sein wie der Kaffee am Morgen, schöne Musik oder ein Anruf bei alten Freunden.

Angebote zu E-Mental-Health existieren schon länger und werden immer umfangreicher. Durch die Corona-Krise wächst deren Bedeutung. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? Wo stößt E-Mental-Health an seine Grenzen? (1/3)

Psychisch erkrankte Menschen können heute über Videosprechstunden mit ihren Behandlern in Kontakt sein und Psychotherapie wahrnehmen. Das ist natürlich zurzeit sehr hilfreich. Unklar ist aber im Moment noch, wie viel virtuelle Behandlung zu viel wäre. Gibt es einen virtuellen Sättigungspunkt, an dem die Vorteile einer virtuellen Beziehung abnehmen oder Patienten mehr persönliche Interaktionen wünschen? Hierzu brauchen wir noch mehr Forschung.

Angebote zu E-Mental-Health existieren schon länger und werden immer umfangreicher. Durch die Corona-Krise wächst deren Bedeutung. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? Wo stößt E-Mental-Health an seine Grenzen? (2/3)

Meta-Analysen verdeutlichen, dass eine sehr gute Evidenz zu mittlerweile sehr vielen Störungsbereichen in Bezug auf die Wirksamkeit Internet- und Mobile-basierter Interventionen vorliegt. So wissen wir zum Beispiel, dass die kognitive Online-Verhaltenstherapie in wissenschaftlichen Studien eine positive Wirksamkeit zeigt, aber in der realen Welt oft nicht wirksam ist, wenn sie ohne menschliche Unterstützung und Interaktion durchgeführt wird. Das heißt, therapeutisch begleitete E-Mental-Health-Interventionen sind wirksamer als therapeutisch unbegleitete. Ebenso wissen wir, dass Smartphone-Apps für einige Patienten nützliche Werkzeuge sein können, aber ihre Wirksamkeit sich mehr als verdoppelt, wenn sie zusammen mit einem Kliniker eingesetzt werden.

Angebote zu E-Mental-Health existieren schon länger und werden immer umfangreicher. Durch die Corona-Krise wächst deren Bedeutung. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? Wo stößt E-Mental-Health an seine Grenzen? (3/3)

Der wichtigste Grund für die Nutzung und damit Prädiktor für die Wirksamkeit dieser Interventionen ist die Präferenz des Patienten und diese wird sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisieren. Schwer kranke, kognitiv stark beeinträchtigte Patienten können solche E-Mental-Health-Angebote aus den verschiedensten Gründen meistens nicht nutzen. Sie brauchen weiterhin die Zuwendung und Behandlung durch reale Ärzte.

Krankenversicherung für Arbeitslose

Hintergrundinformation der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN)

Die DGPPN ist die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Fragen der psychischen Erkrankungen in Deutschland. Sie bündelt die Kompetenz von über 10.000 Ärzten und Wissenschaftlern für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, die in Universitätskliniken, Krankenhäusern und ambulanten Praxen sowie in der Forschung arbeiten