Altersrückstellungen in der PKV: Jung sparen und für das Alter vorsorgen

Das Alter spielt bei der Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung eine wichtige Rolle. Wer älter ist, hat ein höheres Risiko zu erkranken und muss häufiger zum Arzt gehen als ein junger Mensch. Die Kosten für die Gesundheit steigen dadurch. Hier kommen die Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherung (PKV) ins Spiel. Sie sind eine Art Vorsorge, die PKV-Mitglieder in jungen Jahren ansparen, damit die Kosten für die Krankenversicherung im Alter nicht explodieren.

Begriffserklärung

Was sind Altersrückstellungen in der PKV?

Altersrückstellungen sind Sparanteile, die im monatlichen Beitrag zur privaten Krankenversicherung (PKV) enthalten sind. Sie bilden ein finanzielles Polster, das der Beitragsentlastung im Alter dient. Dieses kommt Ihnen zugute, wenn Sie älter werden und mehr Leistungen der Krankenversicherung beanspruchen.

Alter und Gesundheitszustand sind für die Versicherungsunternehmen der PKV wichtige Faktoren bei der Beitragsberechnung. Erfahrungsgemäß steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen mit zunehmendem Alter. Senioren im Alter von 70 bis 85 Jahren benötigen mehr Medikamente als 20- bis 30-Jährige. Hinzu kommen Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte.

In der privaten Krankenversicherung wirkt sich dieser höhere Leistungsbedarf auf die Beitragskosten aus. Einfach ausgedrückt: Wer mehr Kosten verursacht, muss höhere Beiträge bezahlen. Dies würde jedoch bedeuten, dass privat Krankenversicherte allmählich immer höhere Prämien zahlen müssten. Damit sich diese Entwicklung in Grenzen hält, gibt es das System der Altersrückstellungen.

So funktioniert das System der Altersrückstellungen
Das Prinzip funktioniert vereinfacht so:

  • Der Versicherte zahlt in jüngeren Jahren monatlich einen höheren Beitrag ein, als er seinem Alter und seinem Gesundheitszustand müsste.

  • Diese Mehrbeträge legt das Versicherungsunternehmen mit Zinsen Dieses Finanzpolster bildet die Altersrückstellungen.

  • Im steigenden Alter zahlt der Versicherte weiterhin seinen monatlichen Beitrag, allerdings liegt dieser nun unter seinen Kostenbedarf für Gesundheitsleistungen. Die Differenz wird aus den Rückstellungen bezahlt.

Übrigens: Das Prinzip heißt eigentlich Alterungsrückstellungen, wird jedoch meist vereinfacht als Altersrückstellungen bezeichnet.

Wichtige Infos zur Privaten Krankenversicherung

Was ist der Unterschied zwischen Rückstellung und Rücklagen?

Im Sprachgebrauch werden Rückstellungen und Rücklagen oft gleichbedeutend verwendet. Die Fachleute aus dem Rechnungswesen sehen jedoch deutliche Unterschiede. Rücklagen bestehen aus Eigenkapital und werden vorsorglich aufgebaut, um mögliche finanzielle Engpässe auszugleichen. Rückstellungen sind dagegen Fremdkapital, das für einen bestimmten Zweck angelegt wird. Die Sparanteile, die die PKV-Mitglieder zahlen, sind solche Rückstellungen.

Zusammensetzung

Wie setzen sich die Beträge für die Altersrückstellung zusammen?

Der Aufbau von Altersrückstellungen ist gesetzlich vorgeschrieben. Das Finanzpolster setzt sich im Wesentlichen aus drei Teilen zusammen:

Der Zehn-Prozent-Zuschlag

Wie bereits gesagt, hängt die Höhe der Beiträge in der PKV von Alter und Gesundheitszustand ab. Um die Beiträge im Alter zu stabilisieren, sind die Versicherungsunternehmen seit dem 1. Januar 2000 verpflichtet, bei neuen Verträgen einen Zehn-Prozent-Zuschlag auf den Monatsbeitrag aufzurechnen. Diesen müssen alle Versicherten ab dem 22. bis zur Vollendung des 61. Lebensjahres zahlen. Nach dem 65. Lebensjahr dient das Polster dazu, Beitragserhöhungen abzufedern.

Zusätzliche Altersrückstellungen

Je später der Wechsel in die PKV erfolgt, desto höher ist der Anteil der Altersrückstellungen, weil die Mitglieder in kürzerer Zeit einen angemessenen Rückstellungsbetrag aufbauen müssen. Daher kann der Zuschlag durchaus höher sein als die gesetzlich vorgeschriebenen 10 Prozent. Diese zusätzliche Altersrückstellung wird ebenfalls gespart, angelegt und später genutzt, wenn der Beitragszahler mehr Versicherungsleistungen braucht.

Die Zinsen

Die PKV-Anbieter legen die gezahlten Mehrbeiträge verzinslich am Kapitalmarkt an. Als Zinssatz dürfen sie maximal 3,5 Prozent Zinsen einkalkulieren. Liegt der Marktzins am Kapitalmarkt über dem festgelegten Höchstzinssatz, erwirtschaften die privaten Krankenversicherungen einen Überzins. Von den Zinserträgen müssen 90 Prozent in die Altersrückstellungen fließen. Die übrigen zehn Prozent kann das Versicherungsunternehmen zu den eigenen Unternehmensmitteln hinzufügen.

 

Die andauernde Niedrigzinsphase hat jedoch zur Folge, dass der Kapitalmarkt keine Rendite von 3,5 Prozent zulässt. Die Versicherer müssen daher ihren Rechnungszins senken, zum Beispiel auf 2,5 Prozent. Dies kann jedoch eine Erhöhung der Beiträge zur Folge haben, um die Stabilität der Beiträge im Alter zu gewährleisten.

Altersrückstellungen in der PKV in den letzten fünf Jahren

2019 274.015,30 Euro
2018 260.058,10 Euro
2017 247.206,00 Euro
2016 232.719,60 Euro
2015 220.083,20 Euro

Quelle: PKV-Zahlenportal

Die Gesamtsumme der Altersrückstellungen ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.

Beitragsentlastung

Wie und ab wann profitiert der Versicherte von den Sparanteilen?

Das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) regelt die Verwendung der Alterungsrückstellungen in der PKV. Die verzinslich angelegten Summen muss die private Krankenversicherung komplett und ohne Abzüge verwenden, um mögliche Beitragserhöhungen abzufedern. Wenn im Versicherungsvertrag nichts anderes vereinbart ist, profitieren Versicherte ab dem 65. Lebensjahr von den ersten Beitragsanpassungen. Hat der Versicherte das 80. Lebensjahr vollendet, muss die Versicherung die verbleibenden Sparanteile für die Beitragssenkung aufwenden. Eine Auszahlung der Rückstellung ist nicht möglich.

Darüber hinaus ändern sich mit dem Eintritt ins Rentenalter folgende Aspekte:

  • Der Betragsanteil für Krankentagegeld fällt weg.
  • Ab 60 Jahren fällt der Zehn-Prozent-Zuschlag weg.

Auch dies bedeutet eine finanzielle Entlastung für ältere PKV-Versicherte.

Wechsel

Versicherungswechsel: Was ist bei den Altersrückstellungen zu beachten?

Wenn privat Krankenversicherte den Versicherungsanbieter wechseln oder in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückkehren, bleiben Anteile oder auch die gesamten Altersrückstellungen beim Versicherer. Versicherungen sprechen auch vom „Vererben“ des Geldes.

Folgende Regelungen gelten bei Tarif- und Versicherungswechsel in Bezug auf die Rückstellungen:

  • Tarifwechsel

    Jeder Versicherte hat das Recht, innerhalb seines PKV-Anbieters in einen anderen Tarif zu wechseln. Die Krankenversicherung ist verpflichtet, ihm auf Wunsch einen gleichwertigen Tarif anzubieten (VVG § 204). Die aufgebauten Altersrückstellungen darf der Beitragszahler in voller Höhe mitnehmen.

  • Versicherungswechsel

    Wer innerhalb der privaten Krankenversicherung zu einem neuen Anbieter wechseln möchte, muss bei den Altersrückstellungen mit Verlusten rechnen. Seit 2009 dürfen Versicherte nur Anteile mitnehmen, die den Leistungen des Basistarif entsprechen. Bei einem Versicherungswechsel geht also ein Teil der gezahlten Sparbeträge verloren. Daher ist diese Variante bei PKV-Versicherten nicht sehr attraktiv. Hinzu kommt, dass diese Mitnahmeregel nicht für Altersrückstellungen gilt, die vor 2009 gebildet wurden. Für Versicherte mit Verträgen bis 2008 lohnt sich ein Versicherungswechsel kaum.

  • Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

    Die GKV kennt das System der Altersrückstellungen nicht. Sie funktioniert nach dem Solidaritätsprinzip. Die höheren Kosten der älteren Mitglieder werden von den jüngeren, erwerbstätigen Mitgliedern mitfinanziert. Wer von der PKV in die GKV wechselt, verliert damit die für das Alter angesparten Beitragsanteile. Sie verbleiben beim PKV-Anbieter.

Tipp: Wollen PKV-GKV-Wechsler eine Zusatzversicherung bei ihrer privaten Krankenversicherung abschließen, können die Rückstellungen dort angerechnet werden, sodass die Zahlungen nicht umsonst waren. Dies ist etwa auf Zahnzusatzversicherungen und Krankenhauszusatzversicherungen möglich.

Vorteile und Nachteile der Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung

Planbare Beitragshöhe auch im Alter Beim Wechsel zu einem anderen PKV-Anbieter bleiben nur Anteile
Beitragssenkung im Rentenalter Bei Wechsel in die GKV Verlust der Altersrückstellungen
Keine finanzielle Belastung der jüngeren Versicherungsmitglieder

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