Privat versichert? Vorsicht vor Überbehandlung

05.01.2017 | Autor: Juliane Wellisch

Privatpatienten profitieren in der Regel von den Vorteilen, die ihnen die private Krankenversicherung bietet, etwa kaum Wartezeiten auf einen Facharzttermin und bessere Leistungen im Vergleich zu gesetzlich Versicherten. Allerdings kann letzteres für Privatversicherte auch teuer werden, wenn sie an Ärzte geraten, die lieber ans Geld als an eine qualitative Behandlung denken.

Profit versus Patientenwohl

Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, kann sich seinen Schutz ganz individuell zusammenstellen. Zudem sind die einmal vereinbarten Leistungen garantiert, während es in der gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen Jahren immer wieder Leistungskürzungen für Kassenpatienten gab. Darüber hinaus müssen Privatversicherte nur selten im Wartezimmer Platz nehmen oder lange auf einen Termin beim Facharzt warten. Sie werden oftmals bevorzugt behandelt.

Das liegt wesentlich an der Vergütung der Ärzte. Denn sie erhalten mehr Geld für die Behandlung von Privatpatienten. Dies hat allerdings in der Vergangenheit schon dazu geführt, dass der Profit dem Patientenwohl im Weg stand. Für Versicherte bedeutete das überflüssige Untersuchungen und Behandlungen bis hin zu Operationen, die nicht unbedingt notwendig sind.

Stark überteuerte Medikamente für Krebspatienten

Welche Methoden Ärzte und Kliniken anwenden, um ihren Gewinn mit Privatversicherten zu maximieren, berichtet aktuell die Frankfurter Rundschau. In dem Fall werden Patienten in Mitleidenschaft gezogen, die an Krebs erkrankt sind. Sie müssen für die sogenannten Zytostatika für die Chemotherapie mehrere tausend Euro mehr zahlen als es normalerweise der Fall ist.

Möglich sind die überhöhten Medikamentenpreise, weil das betroffene Evangelische Diakonie-Krankenhaus in Bremen die Arzneien aus der eigenen Krankenhausapotheke bezieht. Die Klinik macht sich dabei ein Schlupfloch im Gesetz zunutze, wonach die staatliche Preisverordnung nur bei öffentlichen Apotheken gilt. Daher kann das Krankenhaus deutlich höhere Preise verlangen.

Überflüssige Behandlungen und Untersuchungen bei Privatversicherten?

Nicht immer muss sich das profitorientierte Vorgehen mancher Mediziner und Kliniken zeigen wie bei der Bremer Klinik. Doch so mancher Privatpatient hat sich wohl schon einmal gefragt, ob eine bestimmte Untersuchung oder Behandlung tatsächlich notwendig ist. Als Beispiele sind hier überflüssige Röntgenaufnahmen oder die Glaukom-Untersuchung beim Augenarzt zu nennen.

Für gesetzlich Versicherte zählt sie zu den Individuellen Gesundheitsleistungen, die aus eigener Tasche gezahlt werden müssen. Bei Privatversicherten gab es zumindest in der Vergangenheit Fälle, wo die Behandlung zur Früherkennung des Grünen Stars einfach durchgeführt wurde und sie später eine ordentliche Rechnung erhalten haben.

Folgen der Überbehandlung für Privatversicherte

Sofern die private Krankenversicherung die Kosten komplett übernimmt, hat die Überbehandlung für Versicherte keine direkten Konsequenzen. Allerdings drohen bei deutlichen Mehrausgaben der Versicherer steigende Beiträge.

Wer zudem einen Selbstbehalt vereinbart hat, wird bei zusätzlichen Untersuchungen, deren Nutzen nicht unmittelbar erkennbar ist, unnötig zur Kasse gebeten. Privatversicherten ist daher zu empfehlen, bei Ärzten stets nachzufragen, warum eine bestimmte Behandlung oder Untersuchung notwendig ist. Haben sie ein ungutes Gefühl, können sich Versicherte beispielsweise eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen.