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Pro und Contra der Bürgerversicherung

25.07.2017 | Autor: Anja Schlicht

Der Wahlkampf zur Bundestagwahl im September nimmt langsam Fahrt auf. Wie schon vor vier Jahren steht bei einigen Parteien erneut das Gesundheitssystem zur Debatte. SPD, Grüne und Linke sprechen sich für ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin aus. Sie sehen in der Bürgerversicherung klare Vorteile für die Bürger. Doch Gegner weisen auf Nachteile hin, etwa der Verlust tausender Arbeitsplätze.

Bundestagswahl: Ruf nach Bürgerversicherung wird lauter

In Deutschland existieren mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zwei Systeme parallel nebeneinander. Da Privatversicherte im Vergleich zu Kassenpatienten oftmals von einer besseren und schnelleren Behandlung profitieren, wird häufig von einer Zwei-Klassen-Medizin gesprochen. Seit Jahren ist diese einigen Parteien ein Dorn im Auge. Sie wollen mit einer Bürgerversicherung beide Systeme zusammenführen. Im Zuge des anstehenden Wahlkampfes wird der Ruf nach einer einheitlichen Krankenversicherung nun wieder lauter. Diese hätte sowohl einige Vorteile als auch Nachteile.

Vorteile der Bürgerversicherung

In einer Meinungsumfrage von Xing haben sich die verschiedenen Parteien zur Einführung einer einheitlichen Krankenversicherung geäußert. Die Linke betont, dass damit der Beitragssatz, der für gesetzlich Versicherte im Durchschnitt bei 15,7 Prozent liegt, für alle Versicherten auf 12 Prozent gesenkt werden könnte. Gleichzeitig bestände die Möglichkeit, dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. Ohne eine bessere Vergütung für Privatversicherte gebe es keine Anreize mehr für Ärzte, sich in Gegenden mit vielen Privatpatienten niederzulassen.

Weitere Aspekte, die für die Bürgerversicherung sprechen, sind:

  • Der Beitrag wird abhängig vom Einkommen berechnet und orientiert sich nicht wie in der privaten Krankenversicherung an den vereinbarten Leistungen und am Gesundheitszustand. Gerade für Personen, die vergleichsweise wenig verdienen und privat versichert sind, könnte dies eine Entlastung bedeuten.
  • Ein geringerer Beitragssatz hat zur Folge, dass die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber sinken.
  • Jedem Versicherten stehen die gleichen Leistungen zur Verfügung.
  • Das Solidarprinzip wird gestärkt.

Nachteile der Bürgerversicherung

Die CDU sieht dagegen keinen Grund, etwas am Gesundheitssystem zu ändern. Gegenüber Xing hebt die Partei den Status Quo hervor, etwa das flächendeckende Angebot an Gesundheitsleistungen, die freie Arztwahl und die geringen Wartezeiten für Versicherte im internationalen Vergleich. Für die FDP würde die Einführung einer Bürgerversicherung „zu einer drastischen Verschlechterung der Patientenversorgung führen.“ Die Partei spricht sich vielmehr dafür aus, Zugangshürden bei der privaten Krankenversicherung abzubauen, sodass jeder frei entscheiden kann, ob er sich gesetzlich oder privat versichert.

Weitere Nachteile, die gegen die Bürgerversicherung, sind:

  • Durch den fehlenden Wettbewerb zwischen PKV und GKV befürchten Kritiker einen Stillstand bei medizinischen Innovationen.
  • Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge müssten bis zu 51.000 Stelen in der privaten Krankenversicherung abgebaut werden.
  • Spitzenverdiener werden durch den Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze mehr Geld für die Krankenversicherung zahlen.
  • Bedingt durch das Umlageverfahren drohen langfristig steigende Beiträge.