Sanktionen: Beitragsrückstände bleiben oft folgenlos
08.02.2012 von Rene Petzold
Milliardenloch im dualen System
Das duale System der Krankenversicherung steht seit 2009 vor einem Problem,
welches man bis dahin nicht gekannt hatte. Die Rede ist von säumigen
Beitragszahlern. Inzwischen ist deren Zahl bis September 2011 in PKV und GKV auf
mehr als 780.000 gewachsen. Dabei entfallen 144.000 Nichtzahler auf die private
Krankenversicherung, die restlichen Beitragsschuldner fallen in den Bereich der
GKV.
Für das System der Krankenversicherung ergeben sich daraus ernste Probleme. Denn addiert man die Außenstände der PKV und der GKV zusammen, kommt man auf schwindelerregende rund 1,75 Milliarden Euro, die dem dualen System der Krankenversicherung fehlen. Rückstände, welche zusätzlich auch noch Kosten verursachen. Denn die Versicherer dürfen nicht einfach so Leistungen kappen – diese müssen im Rahmen der Notfall- und Schwangerschaftsbehandlung weiterhin gewährt werden.
Kaum Konsequenzen für Nichtzahler
Über diese Tatsache hinaus, welche vor allem die anderen Versicherte der
Krankenversicherung – sowohl in PKV und GKV – belastet, müssen betroffene
Nichtzahler mit wenig Sanktionen rechnen. Denn die private Krankenversicherung
kann – genauso wenig wie die gesetzlichen Kassen – einfach eine Kündigung
aussprechen. Was bleibt, ist die Möglichkeit, Außenstände anzumahnen. Gerade im
Fall der PKV ein schwieriges Unterfangen, da sich Ansprüche erst mit
gerichtlichem Mahnbescheid in der Tasche auch gegen den Willen der Versicherten
durchsetzen lassen.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben es als Körperschaften des öffentlichen Rechts etwas einfacher – sie können notfalls auch ohne Mahnbescheid die Hauptzollämter mit dem Betreiben der Forderungen betrauen, wie im Fall säumiger Zusatzbeiträge bereits praktiziert. Allerdings nur als das letzte Mittel. Und es gilt immer noch der Grundsatz, dass man nur dann etwa holen kann, wenn es etwas zu holen gibt.
Neuordnung des dualen Systems?
Angesichts der Außenstände, die im dualen System der Krankenversicherung
bereits in die Milliarden gehen, und von Problemen, welche die Versicherer auch
in Zukunft belasten werden, bleibt die Frage, wie lange es bis zur Neuordnung
des Systems dauert. Fakt ist, dass inzwischen nicht mehr nur die Opposition das
deutsche System in Frage stellt. Beobachter der Berichterstattung stellen fest,
dass auch innerhalb der Regierungsparteien das duale System immer wieder in
seiner Beständigkeit diskutiert wird.
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